Puckbesitzstatistiken

Corsi

Corsi (benannt nach seinem Erfinder) misst den Puckbesitz einer Mannschaft. Es ist eine Art +/- für Schussversuche, also für Schüsse aufs Tor, Schüsse, die das Tor verfehlen und Schüsse, die geblockt werden. Die Statistik gibt es für Spieler und für Teams. Es wird gezählt, wie häufig die Mannschaft von Spieler A versucht, aufs gegnerische Tor zu schiessen, wenn Spieler A auf dem Eis ist. Davon wird abgezogen, wie häufig der Gegner versucht, auf das Tor von Spieler A zu schiessen. Das ergibt dann ein Schussversuch-"+/-".  

Die Idee dahinter ist, dass ein Team, um aufs gegnerische Tor zu schiessen, in Puckbesitz sein muss.

 

Fenwick

Fenwick (benannt nach seinem Erfinder) ist Corsi sehr ähnlich. Der Erfinder fand nur, dass geblockte Schüsse durchaus etwas absichtliches, durch das Spielsystem bedingtes sein könnte. Deswegen ist Fenwick der "+/-"-Wert für ungeblockte Schussversuche, also Schüsse aufs Tor und Schüsse, die das Tor verfehlen.
Nicht verwirren lassen, die beiden sagen nahezu das gleiche aus.

Fenwick ist eine gute Näherung für Torchancen (nach einer gewissen Spielezahl ähneln sich das Fenwickverhältnis einer Mannschaft und das Torchancenverhältnis einer Mannschaft sehr stark).

Corsi ist eine bessere Näherung für Zeit, die man in der Zone des Gegners verbringt.

Beide sind gute Vorhersager für zukünftige Leistungen. Mannschaften, die sehr gute Puckbesitzsstatistiken haben, sind auf lange Sicht Mannschaften, die viele Punkte holen.
Beide gibt es nicht nur als Differenz, also Schussversuche für - Schussversuche gegen, sondern auch als Verhältnis, Schussversuche für / (Schussversuche für + Schussversuche gegen)

Anderes

PDO

PDO (benannt nach dem Internetpseudonym seines Erfinders) ist nichts anderes als die Schussquote (Anteil der Schüsse, die zu Toren werden) und der Fangquote einer Mannschaft (Anteil der Schüsse aufs eigene Tor, die nicht zu Toren werden).

Im professionellen Eishockey existiert Schussqualität zwar, aber die Effekte sind, wenn man ganze Teams betrachtet, sehr klein. Es hat sich daher erwiesen, dass die Summe aus Schussquote und Fangquote meist sehr stark um den Wert 100% (oder nach nordamerikanischer Notation 1) pendelt. Teams, die eine sehr hohen PDO-Wert haben, also Mannschaften, die ein besseres Torverhältnis haben, als ihr Schussverhältnis vermuten lässt, fallen normalerweise auf Dauer wieder zum Durchschnittswert zurück. Ein sehr guter Torhüter kann den PDO-Wert eines Teams natürlich erhöhen.

Quality of Competition

Quality of Competition misst die Qualität der Gegner. Im Eishockey werden Spieler nicht gleich behandelt. Manche Spieler werden vom Trainer auf die beste Reihe des Gegners angesetzt. Andere Spieler dürfen in Reihen spielen, bei denen der Trainer explizit schwere Gegenspieler vermeidet. Das hat einen Einfluss auf die Leistungen, die ein Spieler erzielen kann und sollte daher berücksichtigt werden. Meine bevorzugte Variante ist die Messung der Qualität der Gegner über ihre Eiszeit. Man berechnet also die durchschnittliche Eiszeit der Gegner, mit denen Spieler X gleichzeitig auf dem Eis ist und kann daraus Schlüsse ziehen, wie der Spieler verwendet wurde, und wie man die Erwartungen an seine Leistungen (Offensiv-Leistung, Puckbesitz, etc.) verändern muss.

Ich verwende gerne solche Diagramme:

 Quality of Competition - Diagramm, Adler Mannheim 2012/13

Quality of Competition - Diagramm, Adler Mannheim 2012/13

Sie zeigen sehr übersichtlich, dass zum Beispiel 2012/13 die Reihe um Craig MacDonald damit beauftragt wurde, die beste Reihe des Gegners auszuschalten (Gegnerqualität der Stürmer auf der x-Achse). Dafür konnten die Reihen um Ullmann und Lehoux wiederum gegen leichtere Stürmer ran. Die Tatsache, dass die besten gegnerischen Verteidiger sich damals noch auf Ullmann konzentrierten, half Yanick Lehoux sicherlich auch dabei, so viele Scorerpunkte zu sammeln.

PP Opp%

Powerplay Opportunity %, der Powerplayanteil, ist der Anteil an den gesamten Powerplays, den eine Mannschaft hat. Er berechnet sich PP Opp% = Powerplays für / (Powerplays für + Powerplays gegen)

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Powerplayanteil eine Teameigenschaft ist. Die Eisbären Berlin haben zum Beispiel in den letzten 4 Jahren 150 Mal mehr in Überzahl gespielt als in Unterzahl. Die nächstbeste Mannschaft ist Wolfsburg mit +85.

Score Effects

Ein weiterer Begriff, der hier häufiger benutzt wird, ist Score Effects. Damit ist das Phänomen gemeint, dass Teams, die im Rückstand liegen, generell mehr vom Spiel haben. Dies zeigt sich in den Puckbesitzstatistiken (Mannschaften, die mit einem Tor führen, haben in der NHL nur einen Fenwickanteil von 47.2%, Mannschaften, die mit zwei oder mehr Toren führen, sogar nur 45.5%), im Powerplayanteil (in der DEL bekommen Teams, die mit einem Tor führen, nur 47.2% aller Powerplays, wenn sie mit 2 Toren führen, sogar nur 40.6%).

Deswegen ist es wichtig, um die wahre Qualität einer Mannschaft beurteilen zu können, Score Effects zu beachten. Dies wird normalerweise so gemacht, dass man die Statistik, die man untersucht, nur bei ausgeglichenem Spielstand (tied) oder bei engem Spielstand, also wenn das Team mit einem Tor führt oder zurückliegt oder wenn der Spielstand ausgeglichen ist.

Häufig sind die normalen Zahlen auch schon aussagekräftig, doch werden sehr gute Teams dadurch häufiger etwas schlechter aussehen, weil sie häufiger führen, und besonders schlechte Teams etwas besser, weil sie häufiger zurückliegen.