"Gut in der eigenen Zone"

Wer diesen Artikel gelesen hat, weiss, wie wenig ich von "klassischen" Defensivverteidigern halte. Die Idee, dass gutes Stellungsspiel im Defensivdrittel oder Abräumerqualitäten vor dem eigenen Tor einen automatisch zu einem effektiven Spieler machen halte ich für schwachsinnig. Ich vergleiche das gerne mit dem Vernichten von Ungeziefer in der eigenen Küche. Wenn man in der Situation ist, ein unerwünschtes Tier in der Küche zu finden, ist es nur vernünftig dies zu entsorgen. Muss man dies aber andauernd tun, sollte man erkennen, dass das nicht das Problem ist. Ist ja super, wenn Doug Murray (Standardbeispiel) Schüsse blockt. Aber wenn er das dauernd machen muss und Erik Karlsson nicht, ist das dann nicht eher ein Anzeichen für einen negativen Einfluss als einen positiven? Ist es nicht effizienter, den Puck so wenig wie möglich im eigenen Drittel zu haben? Und grosse, unbewegliche Verteidiger, die mit dem Puck nicht viel anfangen können, helfen dabei sicherlich kaum.

Um diesen Punkt ein wenig besser zu illustrieren, habe ich mich mal an einen Vergleich zwischen den Haien und Adlern gemacht. Schaut man auf die zugelassenen Schussversuche pro gegnerischen Angriff schneiden die Haie merklich schlechter ab als die Adler. Mannheim liess im Schnitt 0.45 Schüsse pro Angriff zu, Köln 0.51. Diese Zahl setzt sich nun aber aus zwei Komponenten zusammen. Einerseits die Leistung in der DZ, also wie viele Schüsse je nach Entry zugelassen wurden und die Häufigkeit, mit der die unterschiedlichen Entries zugelassen wurden. Mit anderen Worten: Wenn die Mannheimer ihre Gegner schon in der Neutralen Zone zu Fehlern zwingen und damit weniger Entries mit Scheibenkontrolle zulassen, sollte man erwarten, dass die Mannheimer auch weniger Schussversuche pro gegn. Angriff zulassen, selbst wenn sie im eigenen Drittel genau gleich gut decken/abräumen/etc.

Es lässt sich also überprüfen, wie dieser Unterschied zustande kommt. Liegt die defensive Überlegenheit der Adler nun daran, dass sie in der NZ besser stehen, in der DZ besser agieren oder beides?

Was wäre wenn?

Wenn wir die Leistungen in der neutralen Zone ignorieren, wie schneiden denn die beiden Teams ab, wenn sie bestimmte Entries zulassen? 

Man sieht, dass die Adler ein wenig besser darin waren, Schussversuche zu verhindern, wenn der Gegner die Scheibe tiefspielt. Bei gegn. Entries mit Scheibenbesitz (Carry-ins) und fehlgeschlagenen Carry-ins ist kaum ein Unterschied zu bemerken. Das deutet darauf hin, dass der Unterschied tatsächlich eher in der NZ als in der DZ liegt. Kontrollieren wir also wie häufig die jeweiligen Entry-Arten zugelassen wurden:

Aha. Die Haie liessen also mehr Entries mit Scheibenkontrolle zu. Das Mannheimer Forechecking und/oder ein aggressiveres Verhalten an der eigenen blauen Linie machten es den Gegnern schwerer die Scheibe mit Kontrolle ins Mannheimer Drittel zu bringen.

Um dieser Idee auch eine Zahl zuzuordnen, können wir ja mal so tun, als hätten die Haie die eigene blaue Linie so gut verteidigt wie die Adler. Also statt 45% Carry-ins, 33% Dump-ins, 20% Fehlgeschlagene Carry-ins erlauben die Haie nun 41% Carry-ins, 35% Dump-ins, 23% Fehlgeschlagene Carry-ins. Oder eben das umgekehrte Spiel für Mannheim (also Mannheimer DZ-Verhalten mit Kölner NZ-Verhalten).

Aha. Es ist also deutlich zu erkennen, dass die Adler, wenn sie so viele kontrollierte Entries zulassen, wie die Haie das getan haben, defensiv auf einmal gar nicht mehr so viel besser aussehen (oder die Haie sehen besser aus, wenn sie die blaue Linie so verteidigt hätten, wie die Adler). So gesehen sind je nach Rechnung 62% oder 63% der Differenz in Schussversuchen pro gegn Angriff zwischen Mannheim und Köln auf die Verteidigung der blauen Linie zurückzuführen. 

Natürlich ist es wichtig, Gegner vorm Tor wegzuräumen oder im eigenen Drittel gutes Stellungsspiel zu zeigen, aber diese Daten deuten darauf hin, dass das selbst in der Defensive bei weitem nicht der einzige Faktor ist. Und gutes Defensivverhalten in der neutralen Zone ist leider sehr viel schwerer zu erspähen (selbst wenn man drauf achtet) als die wesentlich auffälligeren Aktionen wie das Abräumen vor dem Tor oder hart geführte Zweikämpfe in den Ecken.