Altherrenliga DEL

Bei der ServusTV-Übertragung am Sonntag fiel mir besonders ein Satz des Kommentators auf. Als es um Daniel Schmölz ging, sagte der "der ist ja gerade mal 23 Jahre jung". Das in einem Ton, der vermittelt, dass es sich um einen besonders jungen Spieler handelt. Obwohl Eishockeyspieler ihre besten Jahre normalerweise  zwischen 23 und 25 haben. Eigentlich sollte es also eher überraschend sein, dass der Herr Schmölz mit schon 23 Jahren erst einen festen DEL-Platz hat. Oder gelten in der DEL andere Regeln? (Jeder, der meinen letzten Artikel zu diesem Thema gelesen hat, kennt die Antwort natürlich schon)

Um darauf eine Antwort zu finden, habe ich mir mal die Statistiken einiger europäischer Ligen angeguckt.  

 Daten von eliteprospects.com, Spieler muss mind. 1 Spiel gespielt haben, um berücksichtigt zu werden Slowakisches u20-Team nicht berücksichtigt

Daten von eliteprospects.com, Spieler muss mind. 1 Spiel gespielt haben, um berücksichtigt zu werden
Slowakisches u20-Team nicht berücksichtigt

Die DEL hat lächerlich wenige junge Spieler. Im internationalen Vergleich steht die DEL ganz hinten. Die DEL ist eine alte Liga. Andernorts stehen pro Spiel zwischen 9 und 15 u24-Spieler auf dem Eis, in der DEL sind es gerade mal 6 (und da zählen Spieler wie Wruck, Macek oder Sylvestr dazu, deren Ausbildung nicht in der DNL vonstattenging). Die besten 18/19-Jahrigen spielen keine ernsthaften Rollen bei deutschen Clubs, wie das in anderen ausländischen Topligen der Fall ist. Selbst die DEL2 sieht nicht gut aus. Und das obwohl in der DEL 2 nur 4 Ausländerlizenzen pro Spiel auf dem Spielbericht stehen dürfen.  Dass sich das Problem nicht von alleine löst, hat die Zeit gezeigt.

Das war vor 15 Jahren auch nicht viel besser. DEL-Manager setzen anscheinend nicht von alleine auf jüngere Spieler, wenn sie die Option haben, noch einen mittelschlechten AHLer nachzuverpflichten. Verständlicherweise ist es einem DEL-Manager wichtiger seinen Job zu behalten, als etwas für die Zukunft des deutschen Eishockeys zu tun. Diese Art von kurzfristigem Denken kann man durch mehrere Varianten bekämpfen:

  • Gegenbeispiele: Wenn ein DEL-Team wirklich auf die Jugend setzt und dadurch richtig Erfolg hat, werden einige Manager sicherlich versuchen, das nachzumachen. Scheint mir allerdings unrealistisch. Auch wenn es Herr De Raaf immerhin ansatzweise versucht.
  • Regeln: Reduzierung der Kontingentstellen.  Daran führt meiner Meinung nach kein Weg vorbei. Wenn sich im deutschen Eishockey was verbessern soll, muss man die Ausländerlizenzen weiter reduzieren. Nur so kann man die Herren in der DEL dazu zwingen, mehr in den Nachwuchs zu investieren. Sowohl Geld als auch Eiszeit.
  • Bessere Spieler: Sicherlich der langsamste und schwerste Weg, aber wenn die Jugendspieler besser werden, bekommen sie auch mehr Chancen. Fraglich nur, wie das ohne zusätzliche Unterstützung bewerkstelligt werden soll.  

Wie schon im oben angesprochenen Artikel beschrieben, bleibt mein Hauptargument: Es muss eine vollwertige u20-Liga her! Die DNL zu erweitern bringt niemandem was. Die 18/19-Jährigen entwickeln sich nicht mehr weiter, wenn sie weiter gegen 16/17-Jährige spielen. Wer mit den großen der Eishockeywelt mitspielen will, muss auch ähnliche Voraussetzungen schaffen. Die 2-3 Jahre Entwicklung ab 18 bis 20/21 fehlen den deutschen Spielern einfach. In diesem Alter gibt's hierzulande nur Stagnation. Deswegen sind Spieler wie Kahun oder Ehliz, die auch schon mit Anfang 20 ernsthafte Rollen übernehmen können, die absoluten Ausnahmen, die die Regel bestätigen.  

Das ist meiner Meinung nach der wichtigste Schritt. Natürlich ist eine bessere Aubildung in noch jüngeren Bereichen, die durch die neue 5-Sterne-Regel ja auch angestrebt wird, lobenswert. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass aktuell auch einiges an Talent zwischen 18 und 20 versauert. Das zeigt sich ja auch dadurch, dass die deutsche u18 regelmäßig besser abschneidet als die u20. Bis 18 ist die Entwicklung im internationalen Vergleich offensichtlich nicht so schlecht wie danach. Wenn man diese jungen Spieler auffängt und nicht einfach hängen lässt oder mit halbgaren Lösungen wie der neuen DNL abfertigt, wäre dem deutschen Eishockey schon mal geholfen. Sonst bleibt alles beim Alten. Für jeden Yasin Ehliz gibt es vier Lino Martschinis, Inti Pestonis, Gregory Hofmanns oder Tristan Scherweys.  Für jeden Dominik Kahun gibt es fünf Andreas Johnsons, Axel Holmströms, Lucas Wallmarks.