Adler Mannheim: Oktober und Dezember

Da nun einige Monate vergangen sind und die Mannheimer Adler wieder einige Male auf laola1.tv und ServusTV zu sehen waren (Die Tatsache, dass da oben Oktober und Dezember steht, begründet sich dadurch, dass kein Spiel der Adler im November übertragen wurde), wird es langsam Zeit für eine aktualisierte Ausgabe dieses Artikels. Damals waren die Adler mit fünf Siegen und einer Niederlage in die DEL-Saison gestartet und machten einen sehr guten Eindruck. Das Verhältnis haben sie grösstenteils beibehalten. Aktuell haben sie rund 78% der möglichen Punkte geholt, was ihnen einen Abstand von 12 Zählern auf die verfolgenden Hamburg Freezers beschert. Aber da ich davon überzeugt bin, dass der Grossteil meiner Leser eh schon weiss, dass die Adler an der Tabellenspitze alleine auf weiter Flur stehen, komme ich lieber direkt zum Inhalt.

Wer etwas genauere Erklärungen zu den hier aufgeführten Stats braucht, wird hier fündig. Eine Erklärung zur grundlegenden Idee hinter dem Projekt ist hier zu finden. 

Zone Exits

LegendeC: Carry, Exit mit Scheibenkontrolle, CH: Chip, Exit ohne Scheibenkontrolle, FC: Failed Carry, Fehlgeschlagener Versuch, die Zone mit Scheibenkontrolle zu verlassen, TO: Turnover, Scheibenverlust im eigenen Drittel, I: Icing, X: Anderes, Erfolg: Erfolg, die Scheibe in die NZ zu bringen in %, Control%: Anteil an Exits mit Scheibenkontrolle in %

  • Niki Goc im Vergleich zum letzten Mal verbessert, aber immer noch sehr fehleranfällig im Spielaufbau. Aktuell immerhin mit mehr positiven Elementen, auch wenn die Fehler immer noch zu häufig sind.
  • Über Denis Reul kann man das leider nicht sagen. Nur die Hälfte aller Exits ist mit Scheibenbesitz und die Fehlerquote ist auch recht hoch. 11 Turnovers und 4 Icings bei 82 Versuchen sind zu viel.
  • Um die Lobeshymne, die sich bis zum Ende des Artikels fortsetzen wird, mal ins Rollen zu bringen: Sinan Akdag mit hervorragendem Spielaufbau. Nahezu fehlerfrei und sehr effektiv.
  • Richmond hat sich entsprechend meiner Erwartung verbessert, wirklich am Limit scheint er aber noch nicht zu sein. Dass er aufgrund seiner Spielweise etwas mehr Fehler macht, ist durchaus zu verkraften, aber aktuell bleiben die Angriffe, die auf seine Exits folgen, noch etwas häufig stecken. Dazu aber später mehr.
  • Allgemein muss man natürlich anmerken, dass alle Beschwerden hier auf eher hohem Niveau sind. Man merkt, dass der Spielaufbau der Adler sehr gut funktioniert. 
  • Das ganze nochmal etwas übersichtlicher in Diagrammform (Einfärbung nach den am häufigsten verwendeten Paaren):

Weiter rechts: Weniger Fehler; Weiter oben: Effektiverer Spielaufbau

Zone Entries

LegendeC: Carry, Entry mit Scheibenkontrolle, D: Dump-in, Entry ohne Scheibenkontrolle, FC: Failed Carry, Fehlgeschlagener Versuch, die Zone mit Scheibenkontrolle zu betreten, SH: Shoot-in, Schussversuch aufs gegnerische Tor aus der NZ, TO: Turnover, SA C: Schussversuche, die aus Carry-ins resultieren, SA D: Schussversuche, die aus Dump-ins resultieren, SA/Entry: Schussversuche pro Entry, Carry Succ%: Erfolgsrate, wenn versucht wird, die OZ mit Scheibenkontrolle zu betreten, Control%: Anteil an Entries mit Scheibenkontrolle in %

  • Bevor ich auf die einzelnen Stürmer eingehe, sollte ich erstmal auf Sinan Akdag aufmerksam machen. Hat in den von mir getrackten Spielen unheimlich viel an der Offensive teilgenommen. Und das, nicht wie man das von den meisten Verteidigern kennt, einfach nur indem er Scheiben tiefspielt, sondern er beteiligt sich auch gerne an Angriffen und das aktuell mit unheimlichem Erfolg.
  • Jochen Hecht aktuell hervorragend, egal ob mit Hospelt oder wie gegen Schwenningen mit Ullmann und Mauer. Immer anspielbar und schafft es intelligent die NZ zu überbrücken.
  • Jamie Tardif scheint mir jemand wie Chris Minard zu sein, der seinen Wert zeigen kann, wenn die Scheibe im gegnerischen Drittel ist aber nicht unbedingt sehr gut darin ist, den Puck dorthin zu befördern.
  • Auch ganz allgemein beeindruckt die Reihe um Metropolit in den letzten Spielen nicht mehr so wirklich. In den neu dazugekommenen Spielen haben die einzelnen Reihen folgende Werte:
    • Metropolit: 79 Entries, 40 Schussversuche, 0.48 SA / Entry
    • Hospelt: 101 Entries, 71 Schussversuche, 0.69 SA / Entry
    • Ullmann: 71 Entries, 58 Schussversuche, 0.81 SA / Entry
    • Joudrey: 77 Entries, 50 Schussversuche, 0.65 SA / Entry
  • Natürlich wird die Reihe um Metropolit häufiger zum Bully in der OZ rausgeschickt, was bedeutet, dass sie etwas seltener die OZ über die NZ betreten wird, aber der negative Trend ist dennoch da, vor allem, was die Gefährlichkeit dieser Angriffe angeht.
  • Joudrey und Buchwieser haben ihre Werte in den letzten Wochen merklich verbessert, da kommt aktuell doch deutlich mehr als noch zu Saisonbeginn.
  • In vielen Entscheidungen stimme ich Geoff Ward zu. Aber Frank Mauer gehört für mich absolut nicht auf die Tribüne. Wenn alle fit sind, sollte die Wahl hier meiner Meinung nach auf Höfflin oder Buchwieser fallen. 
  • Auch hier ist ein Diagramm sicher nicht verkehrt (Einteilung nach der meist verwendeten Reihenkombination):

Zone Entry Defense

LegendeC: Carry, zugelassene Entry mit Scheibenkontrolle, D: Dump-in, zugelassene Entry ohne Scheibenkontrolle, FC: Failed Carry, Fehlgeschlagener Versuch des Gegners, die Zone mit Scheibenkontrolle zu betreten, SH: Shoot-in, gegnerischer Schussversuch aufs Tor aus der NZ, TO: Turnover, SA C: Schussversuche, die aus Carry-ins resultieren, SA D: Schussversuche, die aus Dump-ins resultieren, SA/Entry: Schussversuche pro Entry, Carry Break-up%: Erfolgsrate des Verteidigers, wenn der Stürmer versucht, die OZ mit Scheibenkontrolle zu betreten (Erfolg Verteidiger = Failed Carry oder Turnover), Control%: Anteil an Entries mit Scheibenkontrolle in %

  • Auch hier sticht Sinan Akdag merklich heraus. Fantastisch an der blauen Linie bisher.
  • Wer sich vorher gefragt hat "Wenn Reul und Goc so unterwältigend im Spielaufbau sind, warum spielen sie dann überhaupt?", findet hier eine Antwort. Weil sie eben defensiv gut sind. Wenn der Gegner versucht, das Drittel mit Scheibenkontrolle zu betreten, verhindern die beiden das zu jeweils 34%. Das ist sehr gut.
  • Zu den Stürmern möchte ich nicht allzu viel sagen, schliesslich gibt es hier nur sehr wenige Daten. Höchstens noch, dass Kai Hospelt im Backchecking häufig sehr positiv auffällt.
  • Auch wenn wir gerne alle Verteidiger hätten, die auch im Offensivdrittel glänzen, können wir uns wohl einig sein, dass die beiden Hauptjobs eines Verteidigers der Spielaufbau und die Defensive sind. Von daher mal ein Versuch einer etwas zusammenfassenderen Grafik:

Weiter rechts: Besser defensiv, weiter oben: Besser im Spielaufbau

  • Richmond zwar suboptimal in der Defensive, macht das aber mit sehr gutem Spielaufbau wett
  • Reul und Bittner gut defensiv, dafür schlecht im Spielaufbau
  • Wenn Niki Goc jetzt noch seine Fehler im Spielaufbau weglässt, würde ich ihn als echt guten Verteidiger ohne viel Offensivdrang bezeichnen. Wirklich das einzige, was an seinem sonst unspektakulären Spiel stört.
  • Raymond und Wagner mit Luft nach oben.
  • Mit Kurtis Foster neu im Kader würde ich aktuell Christopher Fischer auf die Tribüne setzen. Reul scheint in Unterzahl ein sehr wichtiger Spieler zu sein.
  • Sinan Akdag in allen Belangen hervorragend. Spielaufbau, Verteidigung, Offensive. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass er diese Leistung über eine ganze Saison halten kann (vor allem in der Defensive sind es noch etwas wenig Daten um wirklich definitive Aussagen machen zu können), aber was man bisher zu sehen bekommt, ist sehr überzeugend. 

Faceoffs

LegendeOZ+: gewonnene Bullys in der OZ, OZ-: verlorene Bullys in der OZ, SA OZ+: Schussversuche, die aus gewonnenen Bullys in der OZ resultieren, SA OZ-: Schussversuche, die aus verlorenen Bullys in der DZ resultieren, SA/OZ: Schussversuche pro Bully in der OZ, OZ FO%: Bullyquote in der OZ, entsprechend gleich für "DZ" statt "OZ"

  • Bullys im Offensivdrittel scheinen nicht Kai Hospelts Stärke zu sein. Daher sinnvoll, dass er die wenigsten davon bekommt.
  • Verteilung der Bullys:
    • Metropolit: 60 OZ - 37 DZ
    • Hospelt: 40 OZ - 36 DZ
    • Ullmann: 60 OZ - 30 DZ
    • Joudrey: 41 OZ - 31 DZ
  • Man merkt einen klaren Unterschied. Die Reihen um Metropolit und Ullmann dürfen deutlich häufiger in der OZ ran als Hospelt und Joudrey. Was, wenn man nach den Stärken der jeweiligen Reihen geht, durchaus Sinn macht.

Folgen von Zone Exits

Zum besseren Verständnis dieses Abschnitts empfehle ich unbedingt die Lektüre dieses Artikels.

LegendeExits: Anzahl der jeweils beschriebenen Exits, Eigene Entries: Anzahl der Exits, die direkt zu einem eigenen Angriff führen, gegn. Entries: Anzahl der Exits, die zu einem Angriff des Gegners führen, Nichts: Anzahl der Exits, die zu nichts führen, SAF: Schussversuche fürs eigene Team, SAA: Schussversuche für den Gegner, SA Diff/Exit: Die Differenz der Schussversuche, bezogen auf die Anzahl der Exits

  • Hier zeigt sich wieder, was ich schon häufig genug angesprochen habe. Wenn die Mannheimer das eigene Drittel mit Scheibenkontrolle verlassen, ist der nächste Angriff zu 94% einer von Mannheim. Tun sie das nicht, ist der nächste Angriff nur zu 27% für Mannheim.
  • Was ebenfalls logisch erscheint: Angriffe, wenn der Stürmer für das Verlassen der DZ verantwortlich ist, haben im Schnitt etwas mehr Schussversuche als bei Verteidigern (0.7 pro Entry vs 0.6). Das liegt wohl daran, dass ein Stürmer meist weniger Gegenspieler vor sich hat, wenn er für den Spielaufbau verantwortlich ist, als ein Verteidiger.
  • Umgekehrtes gilt für direkte Gegenangriffe nachdem ein Spieler den Puck aus dem Drittel bringt. Hier entstehen deutlich mehr Schüsse, wenn dies nach einem Exit des Verteidigers geschieht (0.5 pro Entry vs 0.2). Auch das macht Sinn, denn wenn ein Verteidiger die Scheibe auf dem Weg in die (oder auch schon in der) Neutralen Zone verliert, ist es wahrscheinlich, dass er weniger Leute hinter sich zur Absicherung hat, als wenn dies ein Stürmer tut. 
  • Bemerkbar: Wenn Sinan Akdag die Scheibe aus dem Mannheimer Drittel bringt, folgt zu 70% ein Angriff der Mannheimer. Bei Denis Reul ist das nur in 61% der Exits der Fall.
  • Das ist der Punkt, den ich vorher zu Danny Richmond angesprochen hatte. Die Angriffe, die auf seine Zone Exits folgen, sind nicht wirklich sehr effektiv. Wie viel das wirklich zu bedeuten hat, kann ich aktuell nicht sagen. Dieser Aspekt der Zone Management-Statistiken wird meines Wissens noch von niemandem ausser mir und dem mittlerweile nicht mehr öffentlich aktiven @numerartovertag betrieben, daher kann ich nicht auf grosse Datensätze zurückgreifen um meine Meinungen faktisch zu begründen.
    Meine persönliche Vermutung ist, dass das nur eine kurzfristige Erscheinung ist und dass die Angriffe, die auf Danny Richmonds Zone Exits folgen, wenn er so weiterspielt, in Zukunft auch mehr Effektivität aufweisen sollten. Aber das ist wie gesagt nur eine Vermutung. Wenn nicht, werde ich mich wohl auf die Suche begeben müssen, warum das nicht so ist.

Fazit

Alles in allem hat sich durchaus einiges geändert. Joudrey und Goc haben sich meiner Meinung nach verbessert, dafür hat sich die nominell erste Reihe um Metropolit etwas weniger stark gezeigt. Sinan Akdag spielt die letzten Wochen wie ein absoluter Spitzenverteidiger in allen Belangen, andererseits würde ich mir von Denis Reul und Christopher Fischer deutlich mehr wünschen. Insgesamt muss man aber betonen, dass das weiterhin Kritik auf hohem Niveau ist. Die Mannheimer haben eine Mannschaft zusammengestellt, die aktuell die DEL dominiert. Das Ganze ist nicht nur Glück, sondern die Adler dominieren in der Regel auch das Spiel. 833 eigene Entries, 782 für den Gegner, 625 eigene Schussversuche stehen nur 341 des Gegners gegenüber. So gewinnt man heutzutage Eishockeyspiele. So wie das aktuell aussieht, sehe ich nur die Red Bulls München als wirklich ebenbürtiges Team.  

Da es nun wieder eine Weile dauern wird, bis die Adler genügend Spiele absolviert haben, dass sich ein detaillierterer Blick darauf lohnt, werde ich mich wohl als nächstes den Kölner Haien widmen (schon wieder).

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