Verbinden von Zone Exits und Zone Entries

In meinen bisherigen Artikeln zu Zone Exits und Zone Entries wurden diese beiden Grössen immer in einer Art Vakuum betrachtet. Jede Grösse für sich alleine. Dabei ist es natürlich offensichtlich, dass die beiden sehr wohl zusammenhängen. Eine Mannschaft, die besonders gut darin ist, aus dem eigenen Drittel in die Neutrale Zone zu kommen, wird es wahrscheinlich aufgrunddessen auch häufiger schaffen, ins Angriffsdrittel zu kommen. Das ist zumindest die Annahme, mit der ich die Zone Exit-Statistiken bisher beurteilt habe.
Wissenschaftlicher ist es natürlich, solche Annahmen, auch wenn sie sinnvoll erscheinen, zu überprüfen.

Angriffe nach Exits

Daher habe ich für das CHL-Spiel der Kölner Haie gegen Kärpät Oulu nicht nur Zone Exits und Entries notiert, sondern sie auch in der korrekten Reihenfolge notiert, um uzu überprüfen, was für Folgen die Zone Exits denn haben. (Zur Methodik: Die Ereignisse wurden schlichtweg untereinander notiert, mit einem Unterbruch falls ein Unterbruch des 5v5-Spielbetriebs stattfand, wobei Bullies im Offensivdrittel und im Defensivdrittel dabei ausgenommen wurden.)

Also schauen wir uns doch mal an, was das nächste Ereignis im Spiel ist, nachdem die beiden Teams ihre eigene Zone verlassen (Icings sind hier nicht miteinberechnet):

TeamExitseigene EntryGegn. EntryNichts
Kölner Haie67451111
Kärpät Oulu72411318

In 45 der 67 Fälle, in denen die Kölner das eigene Drittel verliessen, resultierte dieser Versuch sofort in einem eigenen Angriff der Kölner. In 11 Fällen in einem direkten Angriff der Gegner und in 11 Fällen passierte erst einmal nichts. "Nichts" bedeutet in diesem Fall, dass das nächste Ereignis weder ein Angriff der Kölner noch ein Angriff von Kärpät war, das ist zum Beispiel der Fall wenn ein Kölner Spieler abdreht und übers eigene Drittel neu aufbaut oder wenn der Gegner schon sehr früh in Scheibenkontrolle kommt und selbst übers eigene Drittel neu aufbaut. Um die Folgen dieser Exits auch zu berücksichtigen, habe ich in einer zweiten Berechnung einfach den nächsten Angriff bis zu einem Spielunterbruch rausgesucht. Das resultiert in folgender Situation:

TeamExitseigene EntryGegn. EntryNichts
Kölner Haie6746192
Kärpät Oulu7248222

Ah, einige der Fälle in denen zwar das direkt anschliessende Ereignis an das Verlassen des Defensivdrittels kein Angriff ist, resultieren aber daraufhin dennoch in einem Angriff für eine der beiden Mannschaften. In einem Fall haben die Kölner neu aufgebaut und einen Angriff versucht, in 8 Fällen ist das Kärpät Oulu gelungen.

Der Grund dafür ist schnell gefunden: Nachdem die Kölner 7 Minuten vor Schluss in Führung gingen, hat Kärpät Druck gemacht. Das hat dann häufig dafür gesorgt, dass die Haie einfach nur noch darauf aus waren, den Puck aus dem eigenen Drittel zu befördern, aber ein Icing zu vermeiden. So gelang der Puck dann häufig ins gegnerische Drittel, von wo aus Kärpät wieder neu aufbauen musste (meist während die Kölner wechselten).

In diesem Spiel war es also so, dass rund 62% der eigenen Exits direkt zu einem eigenen Angriff führten und ca. 68% der eigenen Exits früher oder später, also vielleicht erst nach einem Neuaufbau zu eigenen Angriffen führten.

Exits mit Scheibenkontrolle vs Exits ohne Scheibenkontrolle

Um das Ganze aber noch ein wenig weiter aufzuspalten, schauen wir uns einmal an, wie das Ganze nach unterschiedlichen Exit-Arten aussah, nämlich für Exits mit Scheibenkontrolle (nach meiner üblichen Notation "C") und Exits ohne Scheibenkontrolle ("FC", "CH", "X"):

TeamExitseigene EntryGegn. EntryNichts% eigene Entry
Köln mit Scheibenkontrolle44401391%
Köln ohne Scheibenkontrolle23510822%
Kärpät mit Scheibenkontrolle39351390%
Kärpät ohne Scheibenkontrolle336121518%

Markant. Schafft man es, das eigene Drittel mit Scheibenkontrolle zu verlassen, entsteht daraus zu 90% ein eigener Angriff. Bringt man die Scheibe unkontrolliert in die Neutrale Zone, schafft man das nur in ca. 20% der Fälle.

Und wenn wir unsere Definition wieder erweitern, um einen neuen Spielaufbau auch zu berücksichtigen:

TeamExitseigene EntryGegn. EntryNichts% eigene Entry
Köln mit Scheibenkontrolle44411293%
Köln ohne Scheibenkontrolle23518022%
Kärpät mit Scheibenkontrolle39371195%
Kärpät ohne Scheibenkontrolle331121133%

Das macht die Unterschiede noch deutlicher. Aus den 83 Exits, die die beiden Teams mit Scheibenkontrolle vollführten, entstanden 78 eigene Angriffe, 2 gegnerische Angriffe und 3 Spielunterbrechungen (ein Abseits zählt wohlgemerkt als Failed Carry und damit als Angriff).

Aus den 56 Exits ohne Scheibenkontrolle entstanden 16 Angriffe der eigenen Mannschaft, 39 Angriffe des Gegners und 1 Spielunterbrechung.
Verständlich, dass Kyle Dubas' wichtigste Eigenschaft, was Verteidiger angeht, die Fähigkeit ist, im eigenen Drittel "mit der Scheibe Probleme lösen zu können" und das Spiel in die richtige Richtung zu bringen.

In Schussversuchen

Und um die Resultate noch in Grössen zu beschreiben, die einem etwas geläufiger sind, das Ganze noch in Schussversuchen:

TeamExitsSchussversuche fürSchussversuche gegenDifferenzDiff/Exit
Köln mit Scheibenkontrolle44171+16+0.36
Köln ohne Scheibenkontrolle2326-4-0.17
Kärpät mit Scheibenkontrolle39220+22+0.56
Kärpät ohne Scheibenkontrolle3316-5-0.06

Also im jeweils ersten Angriff nachdem die Kölner die eigene Zone mit Scheibenkontrolle verliessen, entstanden 17 Schussversuche für die Haie, 1 Schussversuch für Kärpät.
Wenn sie die eigene Zone ohne Scheibenkontrolle verliessen, entstand im nächsten Angriff nur 2 Schussversuche für Köln und 6 für Kärpät.

Ob diese Zahlen so jetzt für ein sehr gewöhnliches oder ungewöhnliches Spiel stehen, möchte ich noch nicht beurteilen. Das wird nur eine grössere Stichprobe verraten. Abschliessend noch folgende Gedanken:

  • Zone Exits sind sehr wichtig. Der Sinn dahinter, Zone Exits zu notieren, ist schliesslich nicht, um irgendeine banale Information über den Spieler zu bekommen, sondern eben herauszufinden, wer das Spiel wirklich in die richtige Richtung treibt.
  • Spieler, die die Scheibe häufig einfach nur raushauen anstatt spielerische Lösungen zu suchen, wählen nicht "die sichere Option" sondern schaden ihrer Mannschaft.
  • Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Icing, ein Chip oder ein Dump-in die richtige Wahl ist. Doch diese Fälle sind selten und wenn sie es nicht sind, stellt das eben auch häufig ein Problem dar.
  • In diese Richtung lässt sich noch vieles herausfinden. Das ist definitiv eine sehr wertvolle Addition zum Notieren der Zone Exits und Entries.


Wer Anregungen, Fragen oder Kritik hat, nur her damit, ob hier in den Kommentaren oder auf Twitter (@5PlusSpieldauer)!

P.S.: Ich würde nach nur einem Spiel nicht zu viel drauf geben, aber hier sind die Ergebnisse der einzelnen Kölner Spieler:

SpielerExitsExits m. KontrolleEntriesgegn. Entrieseigene EntriesSchussversuche fürSchussversuche gegen
Philip Riefers5350100%20
Mirko Lüdemann634267%10
Pascal Zerressen422250%40
Daniel Tjärnqvist322167%00
Björn Krupp422250%11
Torsten Ankert654167%00
Moritz Müller3330100%10
Jamie Johnson332067%10
Charlie Stephens634267%00
John Tripp332167%21
Fabio Pfohl3230100%20
Marcel Ohmann422250%01
Chris Minard2220100%10
Andreas Falk844450%14
Mike Iggulden2220100%20
Philip Gogulla433175%10