Die Kölner Haie und die neutrale Zone: Teil 4 - Bullys

Hier folgt ein Post einer Reihe über die Zone Entries / Exits der Kölner Haie in der Saison 2013/14. Ein Leitfaden dazu ist hier zu finden.  Teil 1 der Serie ist hier zu finden. Teil 2 der Serie ist hier zu finden. Teil 3 der Serie ist hier zu finden.

Ein Ziel des Aufzeichnens der Zone Entries/Exits ist es, ein wenig besser erklären zu können, was die Kölner nun so besonders gut darin macht, konstant deutlich mehr aufs gegnerische Tor zu schiessen als ihr Gegner. Eine Qualität, die deshalb wichtig ist, weil wer mehr aufs Tor schiesst, langfristig auch mehr ins Tor schiesst.
Zone Entries bzw. Exits helfen dabei natürlich durchaus, aber ein Puzzlestück geht verloren, wenn man nur Zone Entries/Exits betrachtet. Nämlich, was nach einem Bully in einer der beiden Zonen passiert. Wirklich als Zone Entry kann man ein Bully im Offensivdrittel ja nicht bezeichnen, denn der Puck befindet sich ja bereits im gegnerischen Drittel. Somit ist der erste Datenpunkt, der entsteht, das erste Mal, wenn der Puck die OZ bzw. DZ wieder verlässt.
 

Um dem etwas vorzubeugen, habe ich mich nach einem Test bei einem Spiel gegen Mannheim dazu entschlossen, meine Aufzeichnungen für die drei Spiele des Halbfinals gegen Wolfsburg und die sieben Spiele des Finals gegen Ingolstadt zu erweitern. Bei jedem Bully bei 5v5 in der DZ bzw. der OZ habe ich folgende Dinge notiert:

  • Welche Kölner Sturmreihe auf dem Eis war (mit der Rückennummer des Centers)
  • Ob das Bully gewonnen oder verloren wurde ("+" für ein gewonnenes Bully, "-" für ein verlorenes Bully)
  • Wie viele Schussversuche entstehen, bevor der Puck das Drittel wieder verlässt oder das Spiel unterbrochen wird

Beispiel

  • Bully im gegnerischen Drittel -> OZ
  • KEC: 45 - 71 - 51 -> 71
  • Bully wird von Falk gewonnen -> OZ+
  • Köln bringt 3 Schüsse aufs gegnerische Tor -> 3 Schussversuche

Also:  71 OZ+ 3

Beispiel 2

  • Bully im eigenen Drittel -> DZ
  • KEC: 37 - 24 - 9 -> 24
  • Bully wird verloren -> DZ-
  • Gegner schiesst zwei Mal aufs Tor, bis Köln klären kann -> 2 Schussversuche

Also:  24 DZ- 2


Team

Aber jetzt ohne weitere Verzögerungen zu den Ergebnissen, als erstes einmal die Daten für das ganze Team:

  • gewonnene Bullys sind offensichtlich besser, um das Schussverhältnis positiv zu halten. (Thank you, Captain Obvious)
  • Das erinnert mich an was: Die DEL hat früher mal Faceoff-Stats veröffentlicht. Warum nicht mehr, werte DEL?
  • Sehr markant: Selbst wenn man die 14 Bullys in der OZ rausnimmt, die beim Spiel gegen Mannheim notiert wurden, bei dem noch keine DZ-Bullys aufgezeichnet wurden, sieht das sehr beeindruckend aus. Bei 5v5 gegen Ingolstadt und Wolfsburg waren 62.7% der Nicht-NZ-Bullys in des Gegners Zone.
  • Hier zeigt sich wieder, wie effektiv die Kölner im eigenen Drittel mit der Scheibe umgehen. In den Playoffs hatten sie eine Erfolgsrate von 94.3%. Hier schaffen sie es, mit 95.3% (bei 62 der 65 gewonnen Bullys im eigenen Drittel) aus dem eigenen Drittel zu kommen, ohne einen Schussversuch zuzulassen.
  • Dazu stehen im Gegensatz nur ca. 83.3% (ca. 105 von 126 gewonnen Bullys im eigenen Drittel) Erfolgsquote der Gegner.
  • Das liesse sich auch auf ein aggressiveres (oder effizienteres) Forechecking der Haie schieben. Ohne vergleichbare Daten (wir wissen wie gut Ingolstadt gegen Köln war, wie gut sind sie darin gegen den Rest der Liga?) will ich das aber nicht "offiziell" als meine Theorie angeben.
  • Jürgen Klopp sagt zum Gegenpressing: "Der günstigste Moment, den Ball zu erobern, ist direkt nach dem eigenen Ballverlust"
    Ich denke, dass das hier anwendbar sein könnte. Nach einem Bullyverlust in der Offensivzone bietet es sich sehr gut an, Druck auf den Gegner auszuüben. Tyler Dellow (seitdem er für die Oilers arbeitet, ist seine Seite leider nicht mehr verfügbar) hatte schon in der NHL beobachtet, dass Teams, die nach Bullys in der OZ das beste Schussverhältnis aufweisen, meist Teams sind, die viel Druck ausüben.

Spieler

Um dem ganzen etwas mehr Farbe zu verpassen, habe ich auch die Daten für die individuellen Spieler der Haie berechnet. Die Daten hier in der Tabelle sind Reihendaten. Da z.B. Falk und Müller während der 10 Spiele (11 Spiele mit OZ-Bullys) immer zusammen gespielt haben, haben sie die gleichen Daten. Spieler wie Marcel Ohmann, die von Änderungen der Aufstellung betroffen waren, haben entsprechend Bullys mit mehreren Centern erlebt.

OZ

Legende: SA off OZ+: Schussversuche nach einem Bullygewinn in der OZ, SA off OZ-: Schussversuche nach einem Bullyverlust in der OZ, SA off OZ: Schussversuche nach einem Bully, SA/OZ+: Schussversuche pro Bullygewinn in der OZ; SA/OZ-: Schussversuche pro Bullyverlust in der OZ, SA/OZ: Schussversuche pro Bully in der OZ; OZ FO%: Bullyquote bei Bullys in der OZ

  • Ich warne zwar häufiger davor, aber hier muss man sowohl auf die Grösse der Stichprobe (10 Spiele sind nicht sonderlich viel), als auch auf deren Zusammenstellung achten. Hier werden 3 Spiele gegen Wolfsburg, 7 gegen Ingolstadt gewertet. Das lässt einen nur beschränkte Aussagen treffen.
  • Ich hege eine Vermutung, dass Marcel Müller ein exzellenter Forechecker ist. Das würde hierauf passen, da die Reihe um Müller/Falk/Hannula nach Bullyverlusten sehr gut abschneidet.
  • Riefers/Ticar/Ohmann sehen hier nicht sonderlich gut aus.

DZ

  • Wie man bei Charlie Stephens' Rückkehr gemerkt hat: Uwe Krupp scheint nicht sehr begeistert von Rok Ticars Defensive zu sein.
  • Köln gewinnt einen höheren Anteil seiner Bullies im eigenen Drittel als sie es im gegnerischen Drittel tun (49.6% vs 45.2%).
    Das komische daran: Für mich macht es Sinn. In der DZ müssen die Flügel/Verteidiger nicht befürchten, überlaufen zu werden und können somit besser aushelfen.
  • Aber: In der SHL habe ich gesehen, dass das Offensivteam 52.8% ihrer Bullys gewinnt. Hat da jemand Ideen? Mir kommt keine, die das vernünftig erklärt.

Das ganze liesse sich natürlich noch erweitern, indem man hier auch die Zone Exits des Gegners und die darauffolgenden Zone Entries notiert, um zu kontrollieren, wie viel Risiko/Lohn ein bestimmtes Forechecking beinhaltet. Damit liesse sich dann ein deutlich kompletteres Bild des eigenen und des gegnerischen Forecheckings erreichen. So könnte man, wenn man eine genügend grosse Datenbank aufbaut, in Verbindung mit intelligenten Taktikern die Effektivität verschiedener Strategien gegeneinander überprüfen,

(Zum Beispiel als Vorbereitung für eine Playoffrunde. "Wir wissen, dass der Gegner so spielen lässt. Schauen wir mal, was wir gemacht haben und was andere Teams gemacht haben und was davon am effektivsten ist/gar nicht funktioniert")

 

Das war der letzte Post, der hauptsächlich zur Datenveröffentlichung diente. Natürlich werden auch in den kommenden Posts noch ein paar neue Daten gezeigt, aber diese sind dann weniger allgemein gehalten.
Wie immer: Fragen, Kritiken, Anmerkungen und sonstige Kommentare sind gerne gesehen.