Die Kölner Haie und die neutrale Zone: Teil 3 - Zone Entry Defense

Hier folgt ein Post einer Reihe über die Zone Entries / Exits der Kölner Haie in der Saison 2013/14. Ein Leitfaden dazu ist hier zu finden.  Teil 1 der Serie ist hier zu finden. Teil 2 der Serie ist hier zu finden.

Nachdem die letzten beiden Posts sich hauptsächlich damit beschäftigten, was passierte, wenn die Kölner Haie den Puck hatten, liegt der Fokus heute darauf, was passierte, wenn die Haie nicht in Scheibenbesitz waren. Neben den Zone Entries und Exits der Kölner Haie habe ich ebenfalls die Zone Entries der Gegner aufgezeichnet. Anstatt aber auch hier den offensiven Spieler zu notieren, habe ich den Fokus darauf gelegt, wenn möglich/sinnvoll, den Spieler der Haie zu notieren, der in dem Moment versucht, die blaue Linie zu verteidigen.

Dabei gelten die gleichen Regeln wie bei den Zone Entries der Haie. Der Vollständigkeit halber möchte diese aber hier nochmal vorstellen (wer sich noch erinnern kann, darf gerne den nächsten Abschnitt überspringen):


C - Carry: Der Gegner bringt den Puck über die blaue Linie während er in Scheibenbesitz bleibt. Dazu zählen ankommende Pässe.

D - Dump-in: Der Gegner spielt die Scheibe tief.

FC - Failed Carry: Der Gegner versucht, das Offensivdrittel mit Scheibenkontrolle zu betreten, verliert dabei aber den Puck. Köln kommt allerdings nicht sofort in Puckbesitz.

TO - Turnover: Der Gegner verliert den Puck noch in der neutralen Zone an Köln.

SH - Shoot-in: Der Gegner schiesst den Puck von vor/auf der blauen Linie aufs Tor.

Diese Werte gibt es nun in zwei Formen. Mit Gegenspieler (also wenn ein Kölner an der blauen Linie gegenüber steht) oder ohne Gegenspieler (z.B. ein Dump-in von der Mittellinie. Dort ist häufig kein Kölner Spieler in der Nähe / zuordenbar). Daher sind die Werte für die gesamte Mannschaft merklich höher als die Summe der Einzelwerte der Spieler.

Daraus lassen sich folgende Statistiken berechnen:

Total: Wie häufig der Spieler "attackiert" wurde
Control%: Anteil an zugelassenen Entries mit Puckbesitz -> C / Total
Break-up%: Anteil an komplett verhinderten Entries -> TO / Total
Dump-in%: Anteil an zugelassenen/forcierten Dump-ins -> D / Total


  • Keine Panik schieben: Dass die individuellen Spieler der Haie hier so häufig zulassen, dass der Gegner mit Kontrolle der Scheibe das Drittel betritt liegt schlicht und einfach daran, dass die Entries, die keinem Spieler zugewiesen wurden, meist eben Dump-ins von der Mittellinie sind. Das zeigt sich in den Gesamtzahlen.
  • Wenig überraschend: Center sind die Stürmer, die am häufigsten attackiert werden. Macht beim Kölner 2-3 NZ Forecheck Sinn - 2 Stürmer checken vor, einer (meist der Center) steht mit den beiden Verteidigern auf der blauen Linie.
  • Daniel Tjärnqvist zeigt sich hier von einer sehr positiven Seite. Nicht nur sorgt er recht häufig dafür, dass der Angriff ganz unterbunden wird, er lässt auch vergleichsweise wenig seiner Gegenspieler das Drittel mit Kontrolle der Scheibe betreten.
  • Moritz Müller überrascht mich ein wenig. Ich hatte lange den Eindruck, dass er an der blauen Linie sehr passiv ist. Dazu später etwas mehr.
  • Mirko Lüdemann ist überraschend schlecht. Wilde (ausschliesslich auf meinem schwachen Erinnerungsvermögen basierende) Vermutung: Ich hatte gelegentlich das Gefühl, das Lüdemann an der blauen Linie sehr risikoavers spielt, den Gegner das Drittel vielleicht betreten lässt, was dem Gegner mehr Zeit lässt, Lüdemann aber auf keinen Fall überlaufen wird.
  • Bei den Stürmern wäre ich etwas vorsichtiger aufgrund der immer noch recht kleinen Stichprobe bei einigen.
  • Ich habe zum Beispiel einige Probleme damit, sofort zu glauben, dass John Tripp was das Verteidigen der blauen Linie angeht wirklich so viel schlechter ist als der Rest der Kölner Mannschaft. Oder dass Philip Riefers so viel besser ist.

Wie bereits bei Exits und Entries gucken wir auch hier, was in der jeweiligen Reihe passiert, also je nach Aufstellung aufsummiert, was passiert, wenn einer der beiden Verteidiger bzw. einer der drei Stürmer "attackiert" wird:

  • Bei den Stürmern zeichnen sich schnelle einige "Grüppchen" ab. Die Müller-Falk-Hannula-Reihe der Playoffs zeichnet sich durch sehr gute NZ Verteidigung aus.
  • Minards Zahlen sehen so aus, wie man sie von jemandem erwarten würde, der hauptsächlich mit den etwas schlechteren Collins/Gogulla und den besseren Falk/Müller gespielt hat.
  • Wieso Teams gerade bei Robinson/Collins/Gogulla die Scheibe so selten tief spielen, erschliesst sich mir nicht wirklich.
  • Kurios: Holmqvist und Müller schneiden hier am besten ab. Ich glaube, dass hier etwas andere Faktoren mitspielen als die reinen Defensivqualitäten der beiden...
  • Tjärnqvist hat letztes Jahr viel Eishockey gespielt. Vor allem in den Playoffs.

Playoffs

Anmerkung: Das eine Spiel gegen die Zach'schen Adler ist hier nicht miteingerechnet, da ich die Datenaufzeichnung zur Wolfsburg-Serie geändert habe. Diese Daten beziehen sich also nur auf die 3 Spiele vs. Wolfsburg und die 7 Spiele vs Ingolstadt.

Und genau zu diesen Playoffs gucken wir uns die Daten mal etwas genauer an. Denn zu den Playoffs habe ich mir die Mühe gemacht, zusätzlich zu den Arten der Entries eben auch noch die Schussversuche aufzuzeichnen, die aus den jeweiligen Angriffen resultierten.

Also statt D 34 (Dump-in vs. Tjärnqvist) habe ich in den Playoffs eben D 34 0 notiert, um die zusätzliche Information zu geben, dass die Haie bei diesem Angriff 0 Schussversuche zuliessen.

Daher gibt es hier noch folgende zusätzliche Statistiken:

SA/Carry: Schussversuche pro Entry mit Scheibenkontrolle SA C / C
SA/Dump: Schussversuche pro Dump-in SA D / D
SA/FC: Schussversuche pro Failed Carry SA FC / FC
SA/SH: Schussversuche pro Shoot in SA SH / SH
SA/Entry: Schussversuche pro Entry SA / Total

  • Ich würde hier nicht allzu viel auf die Schussversuche pro Entry geben, die Stichproben sind hier sehr klein.
  • Wenn nach Moritz Müllers zugelassenen Entries in den 10 Spielen 4 Schussversuche weniger folgen, ist er schon mit 0.51 Schüsse pro Entry auf Tjärnqvists Niveau. Was die Schussversuche angeht, ist definitiv eine grössere Stichprobe notwendig als bei den Zahlen, die sich auf die Art der Entry beziehen.
  • Überraschend: Wie besonders gut ein verletzter Holmqvist, ein widerwillig eingesetzter Kranjc und deren Verteidigungspartner Moritz Müller abschneiden.
  • Anzumerken ist natürlich auch, dass Wolfsburg und Ingolstadt auch deutlich mehr Schüsse erzeugen, wenn sie die Scheibe nicht tief spielen.
  • Hier sieht man, wie viel Tjärnqvist und Krupp wirklich gespielt haben. 20 verteidigte Entries mehr als Ankert/Lüdemann.
  • Daher stammt glaube ich auch die grosse Diskrepanz zwischen den Zahlen der Hauptrunde und der Playoffs: In den Playoffs und vor allem im Finale wurden Müller - Holmqvist (/Kranjc) merklich seltener eingesetzt. Meine aktuelle Vermutung ist, dass Krupp (Uwe) hier ein wenig auf die Matchups geachtet hat, um Holmqvist nicht die gegnerische Topreihe gegenüber zu stellen. Das sorgt entsprechend für einfachere Gegner, die natürlich die Scheibe deutlich häufiger tief spielen, als talentierte Spieler wie Greilinger o. ä.

Wie mit den bisherigen Datenpräsentationsartikeln möchte es hier nun auch wieder bei etwas weniger Analyse belassen. Davon wird es in den nächsten Tagen/Wochen noch zur Genüge geben.

 

Da mir für heute nichts anderes mehr einfällt, noch etwas Allgemeineres:

Das ganze hätte natürlich einen deutlich grösseren Anspruch auf Vollständigkeit, wenn ich neben dem verteidigenden Spieler auch die Sturmreihe (bzw. wenn es ein Stürmer war, das Verteidigungspaar) notiert hätte. Das wäre mit entsprechender Ausstattung natürlich möglich gewesen. Wacklige Internetbedingungen und die verständlicherweise auf Unterhaltungswert und nicht auf einfache Mitschreibbarkeit ausgerichteten Übertragungen von ServusTV haben diese Option allerdings nicht realistisch gemacht.

Das gilt eigentlich allgemein für dieses Projekt. Ich bin von der Aussagekraft der gefundenen Ergebnisse überzeugt und denke, dass diese einem auch einen neuen Blick auf die Mannschaft geben können und auch wenn ich bei weitem noch nicht fertig bin, ist doch klar, dass theoretisch diesbezüglich noch viel mehr möglich wäre.