Die Kölner Haie und die neutrale Zone: Teil 2 - Reihen-Daten

Hier folgt ein Artikel aus einer Reihe von Artikeln über die Zone Entries / Exits der Kölner Haie in der Saison 2013/14. Ein Leitfaden dazu ist hier zu finden. Teil 1 der Serie ist hier zu finden.

Gestern wurden ja bereits die individuellen Daten der Spieler vorgestellt. Also wie häufig der jeweilige Spieler für einen Zone Exit / Zone Entry verantwortlich war und wie viele Schussversuche daraus resultierten. Heute wird das Ganze etwas vertieft, indem jetzt vorgestellt wird, wie das Ganze auf dem Eis allgemein aussah. Da in der DEL keine wirklichen On-Ice-Daten berechenbar sind, habe ich das näherungsweise gemacht.

Vor jedem Spiel habe ich mir die Aufstellung der Kölner Haie notiert. Damit kann man nun die Entries/Exits pro Reihe bzw. Verteidigerpaar zusammenzählen. Das ist nicht perfekt, denn schliesslich gibt es Entries/Exits, die bei noch nicht vollständig ausgeführten Reihenwechseln geschehen. Auch wenn dieser Fall erwartungsgemäss eher selten eintritt, besteht hier dennoch ein Unsicherheitsfaktor.
Da die Haie natürlich nicht auf starre 5-Mann-Einheiten setzen, sondern Sturmreihen und Verteidigerpaare unabhängig voneinander durchrotieren, geht ein gewisser Teil der Informationen natürlich verloren. Wenn ein Verteidiger den Puck ins gegnerische Drittel bringt, gibt es keine Information darüber, welche Stürmer währenddessen auf dem Eis waren und umgekehrt.
Im gestrigen Artikel hatte ich vergessen zu erwähnen: Ich behandle hier natürlich nur einen Anteil der Spieler, die Aussagen, die hier getroffen werden, sind also nicht definitiv. Mit den Playoffs sind am Ende 26 der 69 Spiele der Haie untersucht. Da ich schlichtweg zu faul bin, vor/hinter jeden Satz "in dem Anteil der Spiele der Haie, die auf ServusTV gezeigt wurden", formuliere ich meine Aussagen allgemein.
Ich denke, dass die Trends hier durchaus eine gewisse Aussagekraft haben, nur würde ich Abweichungen von weniger als einem Prozentpunkt nicht unbedingt als einen 100%igen Beweis dafür ansehen, dass ein Spieler besser ist als der andere.
 

Um meiner Strategie treu zu bleiben, werde ich auch hier noch keine detaillierte Analyse posten (aber keine Angst, die kommt schon noch), denn mir persönlich gefällt es als Leser besser, wenn ich mir die Daten anschauen kann ohne gleich die Gedankengänge des Autors aufgezwängt zu bekommen.

Zone Entries

Zunächst einmal zur Erinnerung die bereits bekannten individuellen Statistiken:

Dazu kommen jetzt die mit der oben genannten Methode berechneten Reihen-Statistiken:

Zu lesen als: Wenn Philip Riefers' Reihe auf dem Eis ist, hat diese den Puck 95 Mal mit Kontrolle ins gegnerische Drittel gebracht.

Da es sich hier vergleichsweise um wenige Spiele handelt, sind die Informationen hier nicht übermässig interessant, da es für manche Spieler nicht allzu viele verschiedene Reihenkombinationen gibt. Wenn die Playoffs miteingerechnet werden, verschwimmen die Effekte aus häufiger verwendeten Reihen etwas, sodass diese dann durchaus interessanter sein sollten.

Interessanter auch ohne die Playoffs ist meiner Meinung nach die Beteiligungsrate. Also, wenn die Reihe auf dem Eis ist, wie viel Prozent der Entries übernimmt der Spieler?

Anmerkung: Die Einfärbung hier ist ebenfalls rot-gelb-grün. Damit ist nicht, wie bei den Schussversuchen pro Entry oder der Control%, gemeint, dass rot schlechter und grün besser ist. In diesem Fall bedeutet grün "aktiver" und rot "weniger aktiv", was an sich keine wertende Aussage ist.

  • Interessant: Die recht grosse Diskrepanz zwischen der Häufigkeit mit der Andreas Falk für eine Zone Entry verantwortlich ist und der Häufigkeit mit der ein Schuss, wenn seine Reihe auf dem Eis ist, aus einer seiner Zone Entries resultiert.
  • Umgekehrtes Bild für Marcel Müller. Dafür fällt mir gerade keine sonderlich gute Erklärung ein.
  • Minard macht (vergleichsweise) gar nichts. Bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass sein Nutzen sich auf die Offensivzone beschränkt (dazu weiter unten etwas mehr).
  • Die Spieler, von denen ich jetzt erwartet hätte, dass sie einen grossen Anteil der Entries ihrer Reihe verursachen, stimmen mit denen hier überein. Gogulla, Ticar und Robinson sind sehr aktiv.
  • Collins' niedrige Beteiligung was Entries angeht würde ich auf die kleine Stichprobe in der Hauptrunde schieben, da er eigentlich einen Eindruck als Aktivposten in der Neutralen Zone macht. Wenn das in den Playoffs weiterhin so sein sollte, müsste man da mal genauer hingucken.
  • Der Unterschied zwischen Tripps Beteiligung an Entries und dem Anteil der Schussversuche, die aus seinen Entries entstehen, ist beeindruckend.
  • Ich würde nicht mal unbedingt behaupten, dass Tripp übertrieben stark am Spiel beteiligt ist. Ich hatte aber häufig den Eindruck, dass er, wenn er den Puck in der Nähe der blauen Linie zugespielt bekommt und keine riesige Lücke klafft, den Puck sofort tief spielt. Mein Eindruck war, dass die Entscheidung hier deutlich schneller fällt, als bei anderen Spielern der Haie.
  • Nebenbei: Ich hasse diese scheinbar universell angewandte ungeschriebene Regel, dass, wenn man ein Bully an einem der beiden vorderen Bullypunkte in der Neutralen Zone gewinnt, die Verteidiger die Scheibe immer tief spielen. Warum???

Zone Exits

Gleiches Spiel: Zuerst noch einmal die individuellen Stats der Hauptrunde:

Und die Reihenstatistiken:

Andreas Holmqvist, Zone Exit Gott? *Das* wäre mal ne Choreo.

Anmerkung: In der Grafik unten habe ich vergessen - wie sonst üblich - Blankart und Hannula  wegen der kleinen Stichprobe aus der farblichen Markierung zu entfernen. Diese ist daher etwas verzogen. Daher bis das behoben ist, bitte etwas mehr an den Zahlen orientieren.

  • Trend, den ich hier erkennen kann: Falk, Ticar, Stephens, Hagos... Center sind im Allgemeinen mehr am Spielaufbau aus dem eigenen Drittel heraus beteiligt als Flügel.
  • Vor allem, wenn der Spielaufbau etwas kontrollierter geschieht (grössere Beteiligung an Carries als an allen Exits)
  • Wenn Chris Minard am Spielaufbau beteiligt ist, ich es aber nicht aufzeichne, war er wirklich an der Scheibe?
  • Ohne Witz, ich bin kein Fan von Leuten, die behaupten: "Was macht er denn, wenn er nicht trifft?". Schliesslich ist Tore schiessen ein sehr wichtiger Teil vom Eishockey und wer darin besonders gut ist, sollte dafür gelobt werden. Bei Chris Minard bekomme ich aber wirklich den Eindruck, dass der ausser seinen Leistungen im Offensivdrittel nicht viel bei 5v5 macht. Das soll nicht heissen, dass ich glaube, dass er kein wertvoller Spieler ist, absolut nicht. Schliesslich ist er, wenn er mal in der OZ ist, sehr wertvoll. Nur braucht er vielleicht etwas passendere Mitspieler als der 0815-DELer.
  • Wieder meine zwei Favoriten: Lüdemann macht überraschend wenig im Spielaufbau, Ankert überraschend viel. Haben auch häufig zusammen gespielt.

Dabei möchte ich es für heute einmal belassen, da hier ja doch wieder einiges an Zahlen steht. Wie immer, Fragen und/oder Anmerkungen sind gerne gesehen, ob in den Kommentaren hier oder auf Twitter.

Weiter geht es mit der defensiven Seite, dem Verhindern von Zone Entries des Gegners. Bis ich die Daten präsentiere, möchte ich aber auf die Daten der Playoffs warten. Mit dem Finale plane ich Ende der Woche fertig zu werden, somit habe ich Montag anvisiert. Dafür sollte das ganze dann etwas schneller voranschreiten.