Wie man einen Serienmeister auflöst (nicht Berlin!)

Nachdem ich gestern mein bestes getan habe, um den Krefelder Fans ihren positiven Ausblick auf die nächste Saison zu nehmen, versuche ich es heute mal anders. Für den international top-informierten Krefelder Fan sollte sich nach der Auslosung der Champions Hockey League Gruppen leichte Angst (oder je nachdem, wie gerne man sehr gute Mannschaften sieht, Vorfreude) eingestellt haben, als man zu Skellefteå AIK gelost wurde. Und was mit denen diesen Sommer passiert ist, habe ich sonst noch nirgendwo gesehen.

Skellefteå AIK

Um mal kurz wiederzugeben, was denn "Skellefteå Allmänna Idrottsklubb" ist:

  • Amtierender schwedischer Meister
  • Schwedischer Meister 2012/13
  • Vizemeister 2011/12 und 2010/11
  • Playoffs 2014: 12 Siege, 2 Niederlagen, Torverhältnis 58 - 20 = +38
  • Hauptrunde 2014: 36 Siege, 19 Niederlagen, 111 Punkte (2.: 102), Torverhältnis 179 - 121 = +58 (2.: +30)
  • Playoffs 2013: 12 Siege 1 Niederlage, Torverhältnis 45 - 17 = +28
  • Hauptrunde 2013: 38 Siege, 17 Niederlagen, 114 Punkte (2.: 102), Torverhältnis 170 - 107 = +63 (2.: +45)

Ich denke mal, hier kann man objektiv vom besten Team der SHL sprechen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich auch die #fancystats nicht schlecht lesen (Erklärung der Stats ist etwas weiter unten zu finden):

Für mehr schwedische #fancystats kann ich den Blog Numerart Övertag (und google translate) empfehlen!


Slot in grün. Bild von Silver Seven Sens

Erklärung:

Fenwick For%: Anteil an allen ungeblockten Schussversuchen in %

Corsi For%: Anteil an allen Schussversuchen in %

EV Shots For%: Anteil an allen Schüssen bei gleicher Spielstärke in %

Tore + Pfosten für in %: Tore + Latten-/Pfostentreffer / (Tore + Latten-/Pfostentreffer + Tore + Latten-/Pfostentreffer des Gegners)

Torchancen für in %: Anteil an allen Torchancen in %; Torchancen sind definiert als Schüsse im Slot (siehe Bild)


Zu gut sein

Eine Konsequenz derartiger Dominanz ist, dass die eigenen Spieler begehrter werden. Da ist Skellefteå ein ganz besonderer Fall. Die folgenden Spieler spielen nächste Saison in einem anderen Club (Jonas Frögren habe ich nicht mitgezählt, da er deutlich leichter ersetzbar ist und vermutlich nicht von mehr Ruhm / Geld gelockt wurde):

  • Joakim Lindström - St.Louis Blues
  • Oscar Möller - AK Bars Kazan
  • Jimmie Ericsson - SKA St.Petersburg
  • Pierre-Edouard Bellemare - Philadelphia Flyers (bzw. evtl. AHL)
  • Viktor Arvidsson - Nashville Predators (bzw. evtl. AHL)
  • Johan Alm - Nashville Predators (bzw. evtl. AHL)
  • Melker Karlsson - San Jose Sharks (bzw. evtl. AHL)
  • Petter Emanuelsson - San Jose Sharks (bzw. evtl. AHL)
  • Bud Holloway - SC Bern

Das ist ein recht beachtenswerter Schwund. Um das ein wenig in Kontext zu setzen, so sah das Line-up in Spiel 4 des Finals aus:

Möller - Karlsson - Lindström
Arvidsson - Bellemare - Holloway
Ericsson - Forssel - Sundqvist
Emanuelsson - Norman - Lundberg

Aus den Reihen 1, 2 und 3, die am 21.04. in Karlstad den zweiten schwedischen Meistertitel hintereinander besiegelten, sind damit nur noch Erik Forssell und Oskar Sundqvist im Verein. Noch offensichtlicher wird der Schwund, wenn man sich mal die Statistiken der oben genannten Herren in der letzten Saison anschaut:

Anders formuliert, diesen Sommer verliert Skellefteå ca. 70% ihrer Tore. Und trotz der Tatsache, dass nur ein Verteidiger unter den Top-Abgängen ist, müssen sie 43% ihrer Eiszeit neu verteilen. Der Anteil der 8 Stürmer, die den Verein verlassen, ist hier mal an den Zahlen aller Stürmer, die letzte Saison für Skellefteå spielten, dargestellt (Eiszeit ist in Sekunden gegeben):

SA: Shot Attempts, also alle Schussversuche, EV S: Schüsse bei gleicher Spielstärke, PP S: Schüsse im Powerplay

Natürlich wird  es immer noch schwer für die Krefelder, aus der Gruppe J ins Achtelfinale zu kommen (es kommen auch nur die fünf punktbesten Gruppenzweiten weiter). Mit IFK Helsinki ist noch ein weiteres gutes Team in der Gruppe. Der Schwedische Serienmeister, zu dem man gelost wurde, existiert allerdings nicht mehr.
Skellefteå hat natürlich immer noch ein solides Fundament, auf das sie mit talentierten Spielern wie Nick Sörensen und Pär Lindholm aufbauen können. Mit Mikko Lehtonen ist bisher auch eine Verpflichtung geglückt, die man vom Talent her mit den Abgängen vergleichen kann. Aber derart viel Talent am oberen Ende des Kaders in einem Sommer zu verlieren, ist selbst für das beste Team Schwedens nicht leicht zu verkraften.