Matthias Plachta und Lange Verträge

Der folgende Artikel sollte ursprünglich veröffentlicht werden, bevor die Adler Mannheim mit Matthias Plachta verlängern. Dass das ganze dann so kurzfristig zum Ende des Jahres öffentlich gemacht wird, hat das Ganze etwas durcheinander gebracht. An der grundsätzlichen Idee hinter dem Artikel ändert das glücklicherweise nichts.

Wer diese Saison die Adler Mannheim etwas genauer verfolgt, hat sicherlich nicht nur bemerkt, dass diese an der Tabellenspitze stehen, sondern eventuell auch, dass Matthias Plachta in der nominell ersten Reihe spielt. Und das recht erfolgreich. Neben Jerome Flaake ist er der einzige Deutsche unter den Top 50 der Scorerliste. Matthias Plachtas Vertrag läuft zum Ende dieser Saison aus. Die Adler Mannheim sind zweifelsohne daran interessiert, ihn auch im nächsten Jahr noch im Mannheimer Trikot zu sehen. Hier kommt die Kehrseite der Medaille zum Vorschein. Einerseits ist es natürlich hervorragend für Mannheim, dass Matthias Plachta sich so positiv entwickelt. Andererseits ist ein Vertrag, den man einem Spieler gibt, direkt nachdem er "den nächsten Schritt" gemacht hat, kein optimales Investment. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass ich befürworten würde, ihm keinen neuen Vertrag zu geben, sondern eher, dass es bessere Wege gibt, solchen Gehaltserhöhungen vorzubeugen. 

Längere Verträge

Ein Mittel dazu ist, den Spielern früher längere Verträge zu geben. Denn, auch wenn Spieler und Agenten das sicher anders sehen, für Clubs gibt es in Sachen Kadergestaltung wenig Dinge, die schicker sind, als einen guten Spieler langfristig günstig - lies "unter Marktwert" - an sich zu binden. Die Aufgabe eines Managers besteht schliesslich darin, das bestmögliche Team aufs Eis zu stellen, das sich mit dem vorgegebenen Budget holen lässt. Da gehört nunmal implizit dazu, Spielern weniger zu zahlen, als sie eigentlich wert sind. Eine Möglichkeit das zu schaffen, ist jungen Spielern, die sich noch nicht als wirklich gute Spieler etabliert haben, längere Verträge zu geben.

Einerseits bekommt der Spieler dadurch eine gewisse Sicherheit. Den meisten jungen Spielern wird durchaus klar sein, dass sie durch eine Verletzung/schlechte Leistung/was auch immer schnell von einer grossen Karriere abgehalten werden können. Ein längerer Vertrag (3 - 5 Jahre) gibt ihnen diesbezüglich eine gewisse Sicherheit, nicht auf einmal mit einem DEL2-Gehalt leben zu müssen, weil sie ein Jahr lang unterwältigend gespielt haben.

Gerade bei Spielern wie Matthias Plachta, deren Talent sich irgendwann wahrscheinlich auch in Zahlen niederschlagen kann, die vom Markt gut bezahlt werden (Tore, Punkte), machen solche Verträge meiner Meinung nach Sinn.

Machen wir mal ein Beispiel.

Rechnen wir mal mit einem Spieleretat von 3,1 Millionen Euro* (diese Zahl sollte zumindest nicht völlig unrealistisch sein). Das ergibt bei 27 bezahlten Spielern ein Durchschnittsgehalt von 115'000€. Völlig symmetrisch sind die Gehälter natürlich nicht. Ich bin mal von der folgenden Gehaltsverteilung ausgegangen:

Zwei Anmerkungen dazu:
1.
Die Gelderverteilung ist so vielleicht nicht unbedingt realistisch, was die Zahlen ein wenig verändert. An der grundlegenden Aussage ändert das aber wenig.
2. 
Da es hier nicht darum geht, die Korrektheit des Spielermarkts zu beurteilen, behaupten wir einfach mal, dass das Gehalt, das ein Spieler auf dem Markt einheimsen kann, immer auch genau den Gegenwert bedeutet, den sein Team in dem Jahr bekommt. Soll heissen: Wenn ein Spieler auf dem Markt 200'000€ von einem DEL-Team bezahlt bekommen würde, gehen wir davon aus, dass dieser Spieler seinem aktuellen Team ca. 200'000€ an Wert auf dem Eis bietet. Unabhängig davon, ob das Team ihm jetzt 250'000€ oder 150'000€ zahlt.

Es geht in unserem Beispiel um einen jungen Spieler, der noch nicht völlig etabliert ist, dieser wird tendenziell also eher am unteren Ende des Spektrums ansetzen. Schätzen wir mal grob 70'000€. Jetzt nimmt der Club an, dass eine sehr gute Chance besteht, dass der junge Mann sich in den nächsten Jahren zu einem Spieler entwickelt, der nicht nur vierte Reihe spielen kann, sondern auch mal in die Top 6 passt. Nehmen wir mal an, das Team hätte dem Spieler vor der Saison von der wir sprechen einen 4-Jahresvertrag für 100'000€ pro Jahr angeboten. Rechnen wir nun mal den Fall, dass dieser Vertrag unterschrieben wird gegen den Fall, dass der Spieler immer nur Einjahresverträge bekommt:

Man sieht der Vertragsstruktur an, dass sie etwas unüblich ist. In den ersten Jahren wird der Spieler überbezahlt. Das ist die Motivation für den Spieler, den Vertrag auch zu akzeptieren. Er bekommt mehr "garantiertes Geld", muss dafür aber damit leben, dass sein Gehalt für die nächsten Jahre auch fixiert ist. Daher kommt wiederum der Vorteil für den Club. Dieser weiss nun, dass man vorerst keine "Angst" vor einer Spitzensaison des Spielers haben muss, nach der die Mannheims, Münchens, Kölns oder Berlins der Liga hinter ihm her sind.

Im Falle der Einjahresverträge ist man meist an den Marktwert des Spielers gebunden. In den ersten Jahren ist der vielleicht noch etwas zögerlicher, zu wechseln (daher ein wenig "Gewinn"), aber spätestens wenn er sich als Spieler gehobener Klasse erweist, muss der Klub mit den Angeboten der Konkurrenz mithalten. Der Vorteil, den diese Variante bietet, ist, dass der Klub enorm wenig Risiko aufnimmt. Das zeigt sich vor allem, wenn man mal ein Worst Case-Szenario durchrechnet:

Wächst der Spieler nie über die Rolle eines Dritt-/Viertreihenspieler hinaus, macht man mit dem langfristigen Vertrag offensichtlich Verluste. Allerdings muss man natürlich dazu sagen, dass diese beiden Szenarien ja hoffentlich nicht gleich wahrscheinlich sind. Wie gesagt, hier geht es um Spieler, bei denen das Management erwartet, dass eine vernünftige Chance besteht, dass diese in den nächsten 3-4 Jahren in den oberen Teil des Kaders passen.

Fazit

Seine jungen Spieler zu längeren Verträgen zu überreden hat folgende Vorteile:

  • Man kann insgesamt gesehen Geld sparen
  • Man spart sich Geld in den Jahren, in denen der Spieler sehr effektiv ist. Dieses Geld kann in andere Stellen des Kaders investiert werden, um diesen weiter zu verbessern. Der Punkt ist mir recht wichtig. Es geht nicht nur um die (auf 4 oder 5 Jahre gesehen eher geringe) Summe an gespartem Geld, sondern eben auch darum, wann man dieses Geld spart. Nämlich in den letzten Jahren des Vertrags, wenn der Spieler gut ist. Und das ist in Sachen Kaderkonstruktion nützlich. Denn so hat man nicht nur einen guten Spieler sondern auch noch zusätzlich verfügbares Geld, um den Kader um den Spieler herum zu verbessern. 
  • Selbst bei schlechtem Ausgang der "Wette" belaufen sich die Verluste nicht allzu hoch und sind vor allem auf mehrere Jahre verteilt
  • Man erlaubt sich etwas mehr Zeit, zu beurteilen, ob ein Spieler wirklich den "nächsten Schritt" gemacht hat oder die Saison nur ein Ausreisser ist

Das ganze klappt natürlich nicht immer. Es gibt sicherlich einige junge Spieler, die von sich selbst sehr überzeugt sind und solch einen Vertrag gar nicht unterschreiben würden. Andere werden schlichtweg nie zu dem Spieler, den man erwartet und man macht dadurch dann einen Verlust. Das Wichtigste bei diesen (eigentlich bei allen) Verträgen, ist dass der mögliche Gewinn gross genug ist, um die möglichen Verluste zu rechtfertigen. Der Sinn dieses Artikels ist aber nicht den Finger anschuldigend auf Teal Fowler zu richten und "Das hätte man bei Matthias Plachta machen sollen!" zu rufen. Vergleicht man die Vertragsstrukturen der DEL mit der NLA oder der SHL sieht man, dass u23-Spieler in der DEL deutlich kürzere Verträge haben:

Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Tendenz zu kürzeren Verträgen von den Spielern und Agenten gewollt ist. Sondern vielmehr scheint sich mir hier eine Möglichkeit für Clubs zu bieten, aus langfristigen Verträgen, die es anderswo in der Liga nicht gibt, etwas Profit zu schlagen.