Adler Mannheim: August und September

Mit mittlerweile 6 gespielten Spielen, bei denen ich mir die Mühe gemacht habe, bei übertragenen Spielen der Mannheimer Adler in Sachen Zone Exits und Entries Buch zu führen, dachte ich mir, es wäre nicht unangebracht, dem geneigten Leser eine Zusammenfassung der bisherigen Resultate zu geben.

Was die DEL betrifft, kann man eigentlich nur von einem gelungenen Start für die Mannheimer sprechen. Zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Artikel in den digitalen Druck geht, befinden sich die Mannheimer auf Platz 1 der DEL mit 5 Siegen und einer Niederlage. Die mässigen Ergebnisse der CHL sind vergessen und die ganze Liga kann nicht aufhören, unnötigerweise zu betonen, wie alt Glen Metropolit doch ist. Soweit zur Ausgangslage.

Es soll noch gesagt sein, dass ich mich natürlich nur auf die Spiele beziehen kann, die ich auch getrackt habe. Mit der CHL sind das 6 der bisher gespielten 11 Spiele. Nach meiner Erfahrung und den Erfahrungen anderer, die ähnliche Projekte unternommen haben, sollten die meisten Werte nach wenigen Spielen schon einigermassen aussagekräftig und nach 15-20 Spielen schon recht stabil werden. Daher ist mit den hier gegebenen Werten ein gewisses Mass an Vorsicht geboten. Den Hinweis gebe ich lieber hier am Anfang, als ihn in jeden Satz hineinzuschreiben.

Zone Exits

LegendeC: Carry, Exit mit Scheibenkontrolle, CH: Chip, Exit ohne Scheibenkontrolle, FC: Failed Carry, Fehlgeschlagener Versuch, die Zone mit Scheibenkontrolle zu verlassen, TO: Turnover, Scheibenverlust im eigenen Drittel, I: Icing, X: Anderes, Erfolg: Erfolg, die Scheibe in die NZ zu bringen in %, Control%: Anteil an Exits mit Scheibenkontrolle in %

  • Yikes. Niki Goc sieht alles andere als gut aus. Knapp 30% der Exits sind Turnover oder Icings...
  • Auch von Christopher Fischer bin ich bisher sehr enttäuscht.
  • Die letzten paar Spiele gingen bei Richmond einige Pässe daneben, die an guten Tagen wohl ankommen. Die Quote ist zwar keineswegs schlecht, aber ich glaube, Richmond kann diesbezüglich noch mehr.
  • Sinan Akdag bisher hervorragend im Spielaufbau. Vor allem nahezu fehlerfrei.
  • Wilde Spekulation: Kurios, dass auffälligerweise gerade Rheault, Tardif, Höfflin und teilweise auch Arendt weniger Exits haben als ihre Reihenkameraden. Wäre interessant, mal zu überprüfen, ob das nur Zufall ist oder ein Stück weit vielleicht auch so von Ward angedacht ist, mehr über links aufzubauen...
  • Das ganze nochmal in Diagrammform verdeutlicht (kurz, je weiter oben rechts, desto besser, je grösser die Blase, desto mehr Exits pro Spiel):

Zone Entries

LegendeC: Carry, Entry mit Scheibenkontrolle, D: Dump-in, Entry ohne Scheibenkontrolle, FC: Failed Carry, Fehlgeschlagener Versuch, die Zone mit Scheibenkontrolle zu betreten, SH: Shoot-in, Schussversuch aufs gegnerische Tor aus der NZ, TO: Turnover, SA C: Schussversuche, die aus Carry-ins resultieren, SA D: Schussversuche, die aus Dump-ins resultieren, SA/Entry: Schussversuche pro Entry, Carry Succ%: Erfolgsrate, wenn versucht wird, die OZ mit Scheibenkontrolle zu betreten, Control%: Anteil an Entries mit Scheibenkontrolle in %

  • Vor lauter Lobhymnen auf Glen Metropolit und seine Reihe sollte man dennoch meiner Meinung nach nicht vernachlässigen, wie wenig eigentlich bisher von der Reihe um Joudrey kommt. Dabei geht es nicht mal notwendigerweise um viele Tore, sondern vor allem um den vergleichsweise niedrigen Anteil an Angriffen.
  • Vor allem Joudrey selbst scheint mir ein wenig arg von der Offensive entkoppelt und scheint teilweise gar kein Interesse daran zu haben, die Offensivzone mit der Scheibe zu betreten. Hat die meisten Dump-ins aller Stürmer trotz der Tatsache, dass er nach Mirko Höfflin die wenigsten Entries pro Spiel hat.
  • Dabei werden einem Zone Entries teilweise doch recht einfach gemacht...

Spass beiseite, weiter im Text:

  • Die Daten hier zeigen, dass sich die Reihe um Hecht-Hospelt-Rheault bei 5v5 gar nicht mal schlechter schlägt, als das vielgelobte Trio um Glen Metropolit.
  • Betrachtet man die Schüsse, die die Reihen bisher aufs Tor gebracht haben, sollte klar werden, dass die Mannheimer deutlich weniger von der Topreihe abhängig sind, als die Punktzahlen vermuten lassen:
    • 1 (Metropolit): 8 Tore, 55 Schüsse (CHL: 3 Tore, 33 Schüsse)
    • 2 (Hospelt): 1 Tor, 59 Schüsse (CHL: 4 Tore, 40 Schüsse)
    • 3 (Ullmann): 5 Tore, 34 Schüsse (CHL: 1 Tor, 16 Schüsse)
    • 4 (Joudrey): 3 Tore, 25 Schüsse (CHL. 0 Tore, 17 Schüsse)
  • Mit anderen Worten: Die ganzen Schussversuche, die sich die Kollegen Hecht, Hospelt und Rheault erarbeiten, werden sich auch irgendwann in Toren niederschlagen.
  • Metropolits Spielmacherqualitäten zeigen sich auch, da er vergleichsweise selten selbst die Scheibe ins Drittel bringt, seine Reihe aber dennoch enorm oft angreift. Die Aufgabe übernimmt in der Reihe hauptsächlich Matthias Plachta.
  • Daher bin ich auch noch etwas vorsichtig, über Tardif herzufallen. Könnte mir durchaus vorstellen, dass Tardif in einer anderen vielleicht etwas mehr machen würde. Da das bisher aber sehr gut zu funktionieren scheint, sehe ich natürlich keinen Grund, die Reihe deswegen aufzulösen.
  • Das ganze noch einmal etwas anschaulicher:
    • Weiter rechts bedeutet, der Stürmer betritt die gegnerische Zone häufiger mit Scheibenkontrolle
    • Weiter oben bedeutet, aus den Entries des Stürmers entstehen mehr Schussversuche
    • Je grösser die Blase, desto mehr Entries versucht der Stürmer pro Spiel

Farbliche Einteilung nach Reihen: Dunkelblau: Reihe 1, Blau: Reihe 2, Rot, Reihe 3, Dunkelrot: Reihe 4

Zone Entry Defense

LegendeC: Carry, zugelassene Entry mit Scheibenkontrolle, D: Dump-in, zugelassene Entry ohne Scheibenkontrolle, FC: Failed Carry, Fehlgeschlagener Versuch des Gegners, die Zone mit Scheibenkontrolle zu betreten, SH: Shoot-in, gegnerischer Schussversuch aufs Tor aus der NZ, TO: Turnover, SA C: Schussversuche, die aus Carry-ins resultieren, SA D: Schussversuche, die aus Dump-ins resultieren, SA/Entry: Schussversuche pro Entry, Carry Break-up%: Erfolgsrate des Verteidigers, wenn der Stürmer versucht, die OZ mit Scheibenkontrolle zu betreten (Erfolg Verteidiger = Failed Carry oder Turnover), Control%: Anteil an Entries mit Scheibenkontrolle in %

  • Hier haben wir so einen Fall, wegen dem ich das Projekt unter anderem mache. Niki Goc ist merklich schlechter darin, den Gegnern den kontrollierten Betritt des Mannheimer Drittels zu verwehren, dennoch entstehen aus diesen Entries weniger Schussversuche. Hier stellt sich mir die Frage, ob das eine langfristig tragbare Strategie ist, oder ob die schlechte erlaubte Control% sich hier irgendwann bemerkbar macht.
  • Wilde Spekulation, Teil 2: Ich habe ehrlich gesagt keine Erklärung, warum Richmond so viel häufiger an der blauen Linie attackiert wird, als die anderen. Vielleicht auch hier eine asymmetrische taktische Einstellung?

Kurze .gif-Pause, habt ihr euch verdient :D

  • Akdag, Wagner und Richmond bisher sehr stark darin, die blaue Linie zu verteidigen. Wenn ein gegnerischer Stürmer versucht, das Drittel mit Scheibenbesitz zu betreten und ihm einer der drei gegenüber steht, geht das zu mehr als 30% schief. Top.

Reihenkombinationen

An dieser Stelle soll auch noch ein kleiner Blick auf die bisherigen Leistungen der einzelnen Reihen (und ein paar häufig verwendete Sturmpaaren) geworfen werden. Dabei wurden nicht einfach die Statistiken zusammengerechnet, sondern nur die Statistiken aus Spielen verwendet, in denen die jeweilige Reihe auch tatsächlich zusammengespielt hat. Mit etwas mehr Stichprobe lassen hieraus vielleicht auch einige interessante Dinge über die Reihenzusammenstellung erfahren:

Dabei werden die Unterschiede recht klar. Die Reihen eins und zwei erzeugen munter Schussversuche und setzen den Gegner unter Druck. Die Reihe um Ullmann hat bisher zwar Erfolg darin, die gegnerische Zone zu betreten, aber etwas mehr Schwierigkeiten, daraus dann auch wirklich viel "zählbares" aufs Tor zu bringen. Das sollte meiner Meinung nach mit der Zeit kommen. Reihe 4 macht leider weder noch. Offensiv mit Abstand die ungefährlichste Reihe trotz der sehr respektablen Leistungen von Marcus Kink.

Die Verteidigerpaare sind noch etwas schwerer zu beurteilen, hier hat Geoff Ward bisher sehr viel gewechselt und probiert. Die letzten Spiele scheinen sich die obenstehenden Verteidigerpaare herauskristallisiert zu haben.

Auch wenn sich Denis Reul mittlerweile etwas gefangen hat, ist es dennoch auffällig, dass Goc und Reul in Sachen Spielaufbau merklich abfallen. Definitiv ein Paar, das ich persönlich vielleicht nur in Unterzahl so zusammenstellen würde und vielleicht einmal Bittner oder Fischer eine etwas längere Chance geben würde, mehr bei 5v5 zu spielen.

Folgen von Zone Exits

Wie in diesem Artikel (dessen Lektüre ich zum Verständnis dieses Abschnittes unbedingt empfehlen würde) angesprochen, habe ich mittlerweile die Möglichkeit, zu betrachten, was nach dem Verlassen der Zone passiert. Man kann also nun zum Beispiel überprüfen, wie sich die Exits der einzelnen Spieler auf den weiteren Spielverlauf auswirken. Zuerst einmal aufgeteilt in Exits mit Scheibenkontrolle und Exits ohne Scheibenkontrolle (wohlgemerkt, nicht erfolgreiche Exits, sprich Turnover und Icings werden hier nicht miteinberechnet):

Legende: Exits: Anzahl der jeweils beschriebenen Exits, Eigene Entries: Anzahl der Exits, die direkt zu einem eigenen Angriff führen,gegn. Entries: Anzahl der Exits, die zu einem Angriff des Gegners führen, Nichts: Anzahl der Exits, die zu nichts führen, SAF: Schussversuche fürs eigene Team, SAA: Schussversuche für den Gegner, SA Diff/Exit: Die Differenz der Schussversuche, bezogen auf die Anzahl der Exits

Denke, hier ist ein Beispiel angebracht:

Bobby Raymond hatte in den letzten 3 Spielen 13 Exits mit Scheibenkontrolle. Aus diesen 13 Exits entstanden 11 eigene Entries, 1 gegnerischer Angriff und 1 mal nichts. In diesen 11 Angriffen erzeugten die Mannheimer 8 Schussversuche, aus dem einen Angriff entstand kein Schussversuch für die Gegner. Die Schussversuchsdifferenz der Exits mit Scheibenkontrolle ist also +8. Runtergerechnet macht das im Schnitt +0.6 pro Entry.
Raymond hatte ebenfalls 6 Exits ohne Scheibenkontrolle. Aus diesen entstanden 2 Angriffe für Mannheim und 4 für den Gegner. Die Mannheimer schossen in ihren 2 Angriffen 2 Mal aufs Tor, die Gegner in ihren 4 Angriffen ebenfalls 2 mal. Macht eine Schussversuchsdifferenz von 0 und damit natürlich auch 0 im Schnitt.

  • Ok, man kann also sehen, wie wertvoll es ist, wenn Spieler dazu fähig sind, die Scheibe kontrolliert aus dem eigenen Drittel zu bringen. Ein Exit mit Scheibenkontrolle ist bisher ca. 0.6 Schussversuche mehr wert als ein Exit ohne Scheibenkontrolle.
  • Hier würde ich besonders auf die Stichprobe aufpassen, die Werte sind alles andere als in Stein gemeisselt. Vor allem bei Danny Richmond kamen in den letzten Spielen auch einige Pässe nicht an, die vielleicht an guten Tagen ihren Mann finden.
  • Wenn man dann genügend Stichprobe hat, lassen sich die beiden natürlich auch kombinieren und man bekommt so etwas:

Faceoffs

LegendeOZ+: gewonnene Bullys in der OZ, OZ-: verlorene Bullys in der OZ, SA OZ+: Schussversuche, die aus gewonnenen Bullys in der OZ resultieren, SA OZ-: Schussversuche, die aus verlorenen Bullys in der DZ resultieren, SA/OZ: Schussversuche pro Bully in der OZ, OZ FO%: Bullyquote in der OZ, entsprechend gleich für "DZ" statt "OZ"

  • Die Reihe um Christoph Ullmann bisher mit eher vorteilhafter Verteilung, was die Bullys angeht. (28 im Offensivdrittel, 17 im Defensivdrittel, also 62% im Offensivdrittel)
  • Auch Joudrey (54%) und Metropolit (54%) nehmen den Grossteil ihrer Nicht-NZ-Bullys in der Offensivzone.
  • Das heisst entsprechend, dass nur noch die Reihe um Kai Hospelt übrig bleibt, um einen Grossteil der Bullies im Defensivdrittel zu nehmen. Wird zu beobachten sein, ob sich dieser Trend bewahrheitet oder sogar noch verschärft.
  • (Völlig unrealistisch ist das nicht. Geoff Ward hat in Boston eine ähnliche Strategie schon mit Patrice Bergeron erfolgreich angewandt/angewandt gesehen.)

Fazit

Der Saisonstart in die DEL ist vielversprechend positiv für die Adler verlaufen. Es gibt sehr viel positive Zeichen für diese Mannschaft. Die ersten beiden Reihen sind top, die dritte Reihe präsentiert sich auch mit sehr guten Ansätzen. Die Top 4 der Verteidigung aus Richmond, Akdag, Raymond und Wagner kann sich so sehen lassen. Was nur etwas enttäuscht, ist das in der 4. Reihe und dem dritten Paar meiner Meinung nach etwas zu konservativ gehandelt wird. Das ist natürlich momentan Kritik auf hohem Niveau, aber gerade dann sollte diese ja erlaubt sein.

Natürlich war es für diesen ersten Post noch häufig notwendig anzumerken, dass diese Werte bisher auf wenigen Spielen beruhen und daher noch schwanken können. Im Oktober kommen dann mindestens einmal die Spiele gegen Prag (CHL), Schwenningen, Hamburg und Krefeld dazu.

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