"Moneypuck"

"Moneypuck" ist die äusserst plumpe Umformung von Moneyball aufs Eishockey. Darum, wie man nicht nur den griffigen Namen sondern auch die darin besprochenen Konzepte aufs Eishockey beziehen kann soll es heute und morgen gehen. Heute mit einer Einführung in die Thematik und morgen mit ein paar Beispielen, wie sich Entscheidungen mit modernen Statistiken verbessern lassen.

Das Buch oder der Film Moneyball werden häufig missverstanden. Viele Leute glauben, es ginge darin nur um Statistiken. Das ist nicht ganz korrekt. Michael Lewis' Buch befasst sich zwar mit Baseball, hat aber einen wirtschaftlichen Hintergrund. Es geht darum, Marktineffizienzen auszunutzen. Die Theorie besagt: In einem effizienten Markt sind alle relevanten Informationen in den vorhandenen Preis eingespeist, es besteht also keine Möglichkeit, dauerhaft Gewinne durch den Erwerb unterbewerteter Objekte oder den Verkauf überbewerteter Objekte zu machen. Der Profisport ist definitiv kein solcher Markt. Spielern Werte zuzuweisen sorgt eigentlich immer für Diskussionen. Lewis wollte zeigen, dass es im Profisport möglich ist, Ineffizienzen im Markt auszunutzen wie in der Finanzwelt.

Sprich: Man identifiziert eine Eigenschaft/Talent/besondere Fähigkeit, die von den meisten Konkurrenten in ihrer Wichtigkeit unterschätzt wird und die Chancen stehen recht gut, dass man dieses Talent unter dem theoretisch gerechtfertigten Marktpreis bekommen kann. Damit kann man versteckten Wert finden, wo die Konkurrenz nicht mal schaut.

Jetzt erst kommen die Statistiken ins Spiel.

Die Art und Weise, wie die Oakland Athletics sich einen Vorteil verschafften, war, dass sie versteckten Wert mit Hilfe von statistischer Analyse gesucht und gefunden haben.

Deswegen soll es in vielen meiner Posts eigentlich nicht um Statistiken an sich gehen. Es soll viel mehr versucht werden, anhand von Statistiken neues Eishockeywissen zu entwickeln, statt sich, wie das im Sport leider sehr üblich ist, nur auf alte Pseudo-Wahrheiten zu verlassen, deren bleibende Existenz hauptsächlich darauf beruht,

dass das halt schon immer so gemacht/verstanden wurde.

Ich bin der festen Überzeugung, dass einige dieser alten Weisheiten, auf denen heutzutage noch viele Mannschaften aufgebaut werden, in der gegenwärtigen Version des Eishockeys nicht mehr aktuell sind.

Marktineffizienzen im Eishockey

Clarke MacArthur macht das, was er so häufig macht:

Er ist in Scheibenbesitz, für wenig Geld

. CC Lizenz, Foto von 

wyliepoon

Da Eishockey im Gegensatz zu z.B. Schach starke Zufallseinflüsse hat, dauert es eben eine gewisse Weile, bis sich die guten von den schlechten Teams trennen können.

Oder anders formuliert: Der Zusammenhang zwischen Leistung und Resultat ist im Schach wesentlich direkter. Deswegen ist es vor allem in kleineren Stichproben (wie etwa einer halben DEL-Saison) wichtig, seine Einschätzungen nicht ausschliesslich auf Resultaten zu basieren. Dafür sind Statistiken besonders gut geeignet, da Resultate unser Denken ohne Unterstützung anderer objektiver Daten deutlich stärker beeinflussen.

Um nun den Bogen wieder zum "Moneypuck" zu schlagen: Zusätzliches Wissen ist immer ein Vorteil im Wettbewerb. In der Sportwelt tut sich die wissenschaftliche Herangehensweise noch so schwer, dass man, wenn man sich als Club ernsthaft damit auseinandersetzt, heute wohl recht schnell einen Wissensvorsprung erlangen kann.

In der NHL

fangen langsam einige Teams an zu realisieren, dass in vielem von dem, was einige Hockeyblogger schon seit Jahren von den Dächern schreien, ein gewisser Wert liegt (was nicht unbedingt heissen soll, dass diese Blogger dafür verantwortlich sind).

Die wichtigsten Erkenntnisse sind hier: Puckbesitz ist der

aktuelle

Goldstandard. Schussquoten (On-Ice oder allgemein) regredieren sehr stark und sollten deshalb bei jeder Beurteilung in Betracht gezogen werden.

Was ich betonen möchte: Es geht mir nicht darum, dass das Spiel falsch gespielt wird. Das Verhindern und Erzielen von Toren ist das Hauptziel eines jeden Eishockeyspielers und das ist auch absolut richtig so. Aber die Art und Weise, wie die Leistungen der Spieler und Mannschaften diesbezüglich von den Massenmedien (in Nordamerika) und offensichtlich vielen Clubs beurteilt werden, zeigt fundamentale Fehler.

Momentan wird rund um die NHL immer noch heiss diskutiert (wer auf Twitter den "richtigen" Leuten folgt, erlebt diese Diskussion quasi täglich), ob der "Schussversuch"-Ansatz der richtige ist.

Obwohl es

mathematisch bewiesen

ist, dass die darauf basierenden Puckbesitz-Statistiken stabiler sind und eine höhere Korrelation mit der Siegesquote der restlichen Saison haben als Tore, Tordifferenz, Schussquote und Punkte. Puckbesitzstatistiken sagen uns nach 40 Spielen verlässlicher, wer am Ende wirklich wo in der Tabelle steht, als alles andere.

Diese Fehleinschätzung,

die offensichtlich nicht nur bei Fans vorhanden ist

, hat zur Folge, dass man nicht unerhebliche Vorteile daraus schlagen kann, in diesem Bereich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu haben. Sowohl in der Beurteilung der eigenen Spieler, des Gegners, als auch in der Einschätzung eventueller Neuverpflichtungen.

Natürlich können auch diese erweiterten Statistiken nicht alles erklären. Puckbesitzstatistiken z.B. geben einem nur an, ob jemand das Spiel in die richtige Richtung bringt. Nicht, ob er das mit exzellentem Skating, körperlicher Überlegenheit, Spielintelligenz, etc. macht. Das sind Dinge, für die man Leute braucht, die Erfahrung darin haben, Spieler und Mannschaften zu beobachten und auf genau diese Dinge zu achten. Es soll kein Entweder/Oder zwischen Scouts und statistischer Analyse sein, sondern im Optimalfall eben eine gesunde Mischung der beiden Komponenten.

Ich würde keinem Manager empfehlen eine Mannschaft nur aus Statistiken aufzubauen. Aber sie geben einem doch mehr relevante zusätzliche Informationen, die die Qualität der zu treffenden Entscheidungen verbessern können. Und das sollte das Ziel jedes Clubs sein.

Morgen gibt es dann ein paar Beispiele, wie einem bessere Statistiken und damit verbundenes, besseres Verständnis des Sports bei der Beurteilung von Spielern helfen können.