Warnendes Beispiel: Washington Capitals

Wenn man an hervorragende NHL-Teams der letzten Jahre denkt, denen der grosse Wurf verwehrt blieb, fallen einem wohl ein paar Beispiele ein. Die San Jose Sharks. Die Vancouver Canucks. Und eben die Washington Capitals.
Unter Coach Bruce Boudreau wurden die Capitals in der Regular Season Vierter, Erster und Zweiter. Die Capitals waren eine dominante Mannschaft mit Alex Ovechkin auf dem Zenit seiner Fähigkeiten. Doch auf die spektakulären Leistungen in der regulären Saison folgten Niederlagen in den Playoffs. Die schlimmste wohl die Niederlage 2010 in 7 Spielen gegen die Montreal Canadiens, die in der regulären Saison 23 Punkte weniger geholt hatten. In den Siegen der Canadiens in den Spielen 5, 6 und 7 stoppte Jaroslav Halak 131 von 134 Schüssen. Eine 97.8% Fangquote.
Danach wurde gerätselt, warum es in den Playoffs für die Caps nicht reicht. Das System sollte umgestellt werden. Weniger Offensivspektakel, mehr nüchterne Defensivarbeit. Head Coach Bruce Boudreau war angezählt. Der Systemwechsel gelang. Mit verändertem Stil schafften es die Caps 2010-11 erneut, sich den Top-Platz im Osten zu ergattern. Doch in der zweiten Runde wurde man 4-0 von den Tampa Bay Lightning abgefertigt. Wieder wurde Boudreau behalten. Allerdings nicht lange. Bis zum 28. November 2011 war er im Amt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Washington 25 Punkte und war auf dem achten Platz der Eastern Conference. Dale Hunter wurde als Ersatz verpflichtet. Er sollte der Mannschaft beibringen, wie man Playoffhockey spielt...
Bis zum Trainerwechsel hatte Washington einen FenwickTied-Wert von 55%, was irgendwo zwischen sehr gut und sehr, sehr gut ist. Nur mit einer Fangquote von 87.9% und einer Schussquote von 7% ist es allerdings sehr schwer, sich an der Tabellenspitze festzusetzen, um es mild zu formulieren. Durch die vergangenen Playoff-Misserfolge und viel Pech sahen sich die Capitals dazu gezwungen, etwas zu verändern.
Dale Hunter schaffte es, mit seinem noch defensiveren System und Toughness und Grit und Schlagwort #3 dann die Capitals zu einem anderen Team zu formen. Einem Team, dass nur noch 48.9% Anteil am Puckbesitz hatte. Durch deutlich besseres Scheibenglück (PDO 101.2) brachte er das Team in die Playoffs. Wo er mit seinem "Playoff-Hockey"-System in der zweiten Runde scheiterte.
Heute sind die Capitals nur noch ein mittelmässiges Team, das hart um einen Playoffplatz kämpfen muss. Bruce Boudreau hingegen hat aus den Ducks ein gutes Team geformt.
In Washington wurde ein dauerhafter Cup Contender ruiniert, weil sich über die Dauer von 2 Playoff-Jahren und ca. 20 Saisonspielen die Leistung den Resultaten nicht angepasst hat.

Aber warum krame ich hier so eine alte Story aus dem Archiv?

Momentan stehen sowohl die Hamburg Freezers als auch die Eisbären Berlin aufgrund ihres schlechten Saisonstarts in der Kritik. Wie das in solchen Situationen im Sport leider immer so ist, werden recht schnell sowohl Trainer als auch Einstellung oder mangelnde Führungsspieler in Frage gestellt. Mit PDO-Werten von 98.3 (Berlin) und 96.7 (Hamburg) ist aber davon auszugehen, dass die aktuellen Resultate:

1. Nicht den gezeigten Leistungen entsprechen
2. Daher wahrscheinlich nicht den restlichen Saisonverlauf widerspiegeln

Da "wir haben momentan einfach kein Glück" keine akzeptable Ausrede für den gemeinen Hockeyfan ist, muss aber nach einer gewissen Zeit eben etwas getan werden.
Doch hier liegt meiner Meinung nach der Fehler. Die Herren in der Chefetage werden unter anderem dafür bezahlt, Leistung und Resultate beim Treffen ihrer Entscheidungen voneinander zu trennen. Die einzige Frage, die sich ein Manager stellen sollte, ist: Stimmt unser Ansatz? Soll heissen: Macht die Mannschaft das, was man vor der Saison erwartet hat oder nicht, unabängig von den Resultaten?

Es ist nicht leicht im sehr kurzlebigen Profisport lange nur auf den Prozess zu achten und Resultate nicht zu hoch zu werten. Geduld ist eben nicht grundlos eine Tugend.