NHL Vorschau - Western Conference

Am 1. Oktober geht es auch in der NHL wieder los. Ohne Lockout. Im neuen Format. Winnipeg darf endlich gegen Teams mit ähnlichem Längengrad spielen. Detroit spielt wieder in einer Division mit Toronto, Boston und Montreal (und die Western Conference atmet kollektiv auf). Vancouver wird der geschenkte Top 3-Platz in der Conference aus der alten Northwest Division genommen. Ausserdem gibt's dieses Mal wieder 82 Spiele, sodass der Zufall diese Saison eine geringere Rolle spielen sollte. Genau wie in der DEL gibt es auch hier eine etwas zahlenorientiere Vorschau. Da man in der NHL ja die sehr aussagekräftigen Puckbesitzstatistiken berechnen kann, versuche ich mich dieses Mal auch an etwas konkreteren Aussagen. Den Anfang macht heute die Western Conference.

Zuerst aber einmal ein kleiner Überblick über das neue Playoffsystem (wie der neue Spielplan funktioniert, kann man hier herausfinden):
Die Playoffs werden ab der kommenden Saison primär nicht mehr nach Conferences sondern nach Division durchgeführt. Soll heissen: In den ersten 2 Playoffrunden werden die Playoffsieger der jeweiligen Division ausgespielt. Die vier Divisionssieger spielen dann darum, ihre Conference im Stanley Cup Finale zu vertreten.

Qualifiziert für die Playoffs sind die drei besten Teams einer Division. Der jeweils vierte Platz in den Divisional Playoffs wird per Wild Card vergeben. Die Wild Card geht an die besten 2 Teams der Conference, die nicht schon direkt qualifiziert sind (es ist also möglich, dass eine Division statt 4 nur 3 Teams stellt). Ganz unten ist ein Beispiel für eine der möglichen Playoff-Ausgangslagen (basierend auf meinen Vermutungen).

Zu den Tabellen:

Die Platzierung innerhalb der Tabellen entspricht meiner Vermutung, wie sie am Ende der

Saison 2013/14

wohl aussehen. Ein "x" neben der Platzierung kennzeichnet eine direkte Playoffqualifikation, ein "y" einen Wildcard-Platz.

Rechts neben den Teamnamen stehen die Mannschaftswerte der Saison 2013.

FenTied

ist der prozentuale Anteil an allen ungeblockten Schussversuchen bei 5 gegen 5 und ausgeglichenem Spielstand.

FenClose

entsprechend bei engem Spielstand (Ein-Tor-Führung/-Rückstand oder Gleichstand). Fenwick ist eine Grösse, die den Puckbesitz misst. Da Mannschaften bei einer Führung aber nachlassen, liegt das Hauptaugenmerk auf den entscheidenden Spielsituationen.

5v5 Sh%5v5 Sv%5v5 PDO sind die Schussquote, Fangquote und PDO bei 5 gegen 5.

Meine Vermutungen basieren auf den hier angegebenen Statistiken für Puckbesitz und "Glück", den Änderungen, die am Kader vorgenommen wurden und einer Berücksichtigung der Special Teams.

Pacific Division

Wenig geändert hat sich in LA und San Jose. Zurecht. Schliesslich sind beide Teams weiterhin exzellente Puckbesitzteams, die sich auch dieses Jahr wieder berechtigte Hoffnungen auf längere Playoffs machen dürfen. Auch wenn ich kein grosser Fan von Jonathan Quick bin (s. Anm. 1), sind die Kings trotzdem wieder einer der Favoriten auf den Stanley Cup. Doug Wilson hat sich letzte Saison als Top-GM selbst übertroffen, indem er für Doug Murray (ohne Ruf und "Toughness" heute eigentlich AHLer) und Ryane Clowe ganze drei 2nd Round Picks bekommen konnte.

In Vancouver hofft man auf einen gesunden Ryan Kesler und David Booth. Die beiden sind sehr starke Puckbesitzspieler und trotz ihres Fehlens konnte sich Vancouver über Wasser halten. Die Sedins sind zwar keine 100-Punkte-Spieler mehr (davon gibt es aktuell eh nur sehr wenige), aber sollten immer noch ein starkes Powerplay und eine hervorragende erste Reihe bilden. Roberto Luongo ist trotz Trade-Debakel immer noch einer der besseren (Top 6) Torhüter der Liga. Wenn das stimmt, und man jemanden finden kann, der einen halbwegs kompetenten Center für die 3. Reihe darstellen kann, sollte mit Vancouver wieder zu rechnen sein.

Zu Beginn der Saison (etwas überschattet von den Blackhawks) profitierte Anaheim von einem hohen PDO-Wert (<46% FenClose) , in der zweiten Hälfte der Saison zeigte sich die Mannschaft aber auch mit für Playoffteams akzeptablen Puckbesitzwerten (>50% FenClose). Die Ducks sollten auch diese Saison wieder um eine Playoffplatz spielen.

Quebec Seattle Phoenix bringt schon seit Jahren mit wenig Geld eine gute Truppe aufs Eis. Das sollte auch dieses Jahr wieder so sein. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass schon in dieser Saison die Wildcard-Regelung zum Einsatz kommt und ein Team aus der Pacific Division in den Central Division Playoffs mitspielt.

Edmonton sollte sich in Sachen Puckbesitz verbessern, Boyd Gordon und David Perron sollten auch für etwas mehr Tiefe im Kader sorgen. Die Oilers sollten auch um einen Playoffplatz mitspielen können, auch wenn ich etwas skeptisch bin, dass es diese Saison schon reicht.

Calgary hat endlich den Rebuild begonnen. Mehr muss man zu den Flames leider nicht sagen.

Central Division

Auch hier stehen die Spitzenteams in einem gewissen Abstand zum Rest. Mit Chicago und St.Louis hat die Central Division zwei Teams, die auf lange Playoffs hoffen dürfen.

Letzte Saison konnte man beobachten, wie es aussieht, wenn ein Spitzenteam auch noch auf der positiven Seiten des Zufalls landet.

Chicago konnte sich letzte Saison sicherlich nicht über Pech beschweren, was aber nicht davon ablenken soll, dass sie eines der besten Teams stellen. Die Blackhawks haben zwar mit Bolland und Stalberg zwei Spieler für unteren 6 verloren, hat aber immer noch genügend Talent am oberen Ende des Kaders, um das wett zu machen.

Die Blues hingegen haben mit David Perron einen wichtigeren Spieler nach Edmonton ziehen lassen und hoffen diesen im Kollektiv und mit dem im Gegenzug gekommenen Magnus Pääjärvi und Derek Roy, der sich in seinem kurzen Gastspiel in Vancouver unter Wert verkauft hat, zu ersetzen. Alex Pietrangelo führt eine starke Defensive und ist weiterhin neben Oliver Ekman-Larsson der beste Verteidiger der Welt, den keiner kennt.
St.Louis steht hier vor Chicago hauptsächlich aufgrund der Torhüter. Halak sollte etwas besser sein, als er letzte Saison gezeigt hat und auch wenn Corey Crawford ein guter Torhüter ist, zur Elite würde ich ihn nicht zählen.

Danach wird es sehr offen. Die Minnesota Wild haben zwar Talent im Kader (Parise, Koivu, Pominville, Suter) und mit Granlund, Brodin und Coyle (evtl. Nino Niederreiter) auch grosses Potential, aber bisher spiegelt das die Leistungen nicht wider.

Winnipeg hat keinen allzu schlechten Kader, aber mit Ondrej Pavelec und Al Montoya als Torhütergespann wird es selbst in der Central Division schwer.

In Dallas wurden nicht nur die Trikots verbessert. Tyler Seguin sollte offensiv mit Jamie Benn für Unruhe sorgen. Horcoff und Peverly sind solide defensive Spieler. Sergei Gonchar's beste Zeiten sind sicher hinter ihm, aber im Powerplay sollte er immer noch aushelfen können. Ob das allerdings reicht, um aus den Stars, die nur aufgrund einer Schussquote von 9.5% nicht zu den schlechtesten Teams der Liga zählten, ein Playoffteam zu machen, ist fraglich.

Auch wenn Pekka Rinne die Puckbesitzdefizite etwas abfangen kann, reichen Zugänge wie Matt Cullen oder Viktor Stålberg einfach nicht, um aus den Predators ein Team mit ernstzunehmender Offensive werden zu lassen.

Colorado hat mit MacKinnon, Landeskog, Duchene und O'Reilly einige sehr talentierte junge Stürmer, aber die Defensive ist zu schwach besetzt, um den ohnehin nicht überstarken Torhütern Varlamov und Giguere genügend auszuhelfen.

Da aber noch eine dritte Mannschaft in die Playoffs kommen muss, denke ich, dass die Wild diesen Platz bekommen, die Central Division allerdings kein Wildcard-Team stellt.

Playoff-Format fortgesetzt

Meine Vorhersage (mit der Annahme, dass St.Louis mehr Punkte als LA holt) würde zu folgenden Serien in der ersten Runde führen:

Pacific: 
LA (1) vs Phoenix (WC 1)
&
San Jose (2) vs Vancouver (3)

Central:
St.Louis (1) vs Anaheim (WC 2)
&
Chicago (2) vs Minnesota (3)

St.Louis bekommt als punktbestes Team der Conference das schlechterplatzierte der zwei Wild Card Teams als Gegner (hier Anaheim). Das bessere der beiden Wild Card Teams (hier Phoenix) spielt gegen LA.

Alle Statistiken von behindthenet.ca und stats.hockeyanalysis.com

Anm. 1: 5v5 SV% der letzten Jahre für Quick, in Klammern die Position in der ligaweiten Rangliste:
12-13: 90,86 (46. / 53)
11-12: 93,4 (5./46) <--- Danach einen 10 (!)-Jahresvertrag unterschrieben
10-11: 92,54 (20./ 48)
09-10: 91,2 (25./47)
08-09: 92,61 (16./47)

2013 war sicherlich auch ein untypisches Jahr, aber 2011-12 scheint mir doch ein Ausreisser nach oben für einen guten Torhüter.