Sommerlektüre / Sommerkino: Moneyball

Als Blogger, der sich mit statistischer Analyse einer Sportart beschäftigt, wäre es eine Schande, wenn ich nicht zumindest einmal kurz auf Moneyball hinweise. 

Ausserdem ist im deutschen Eishockey ja aktuell wieder Sommertheater, die DEL hat sämtliche Statistiken auf Pointstreak heruntergenommen und einige Hockeyseiten bearbeiten Anfragen etwas langsamer...

Aus dem Buch wurde 2011 dann auch ein sehr erfolgreicher Film, den ich ebenfalls jedem wärmstens empfehlen kann. 

Gerade weil es kein 0815-Sportfilm mit  ist, sticht er positiv aus den sonstigen Filmen im Genre heraus. "Selbst Kinozuschauer, die keine Ahnung von Baseball haben, werden von "Moneyball" gefesselt sein."

 


Um an "Moneyball - The Art of Winning an Unfair Game" Gefallen zu finden, muss man weder Baseballfanatiker noch Statistiker sein. Das Buch erzählt die Geschichte der Oakland Athletics und Billy Beane, deren General Manager, ohne sich dabei zu sehr in Beschreibungen sportlerischen Heldentums zu verlieren. Die Oakland Athletics waren zur damaligen Zeit (2002) eines der ärmsten Teams in der MLB. Ihr Budget für Spielergehälter war damals in der Gegend von 40 Mio. $. Die New York Yankees gaben jedoch im Jahr 140 Mio. $ für Spieler aus. Wie konnte es also sein, dass die Yankees die Athletics in den beiden Jahren zuvor erst im entscheidenden Spiel der Serie besiegen konnten. Wie kam es, dass es die A's überhaupt in die Playoffs schafften? (Im Baseball schaffen es nur 8 von den 30 Teams in die Playoffs)

Da Baseball ein altes Spiel ist und sich im Verlaufe der Zeit (sagen wir mal der letzten 50 Jahre) recht wenig verändert hat, haben sich die angesammelten Weisheiten der Insider des Sports - Spieler, Trainer, Scouts, Manager - entsprechend ähnlich wenig gewandelt. Viele dieser Weisheiten waren/sind allerdings veraltet, subjektiv oder schlichtweg falsch. Das Management der Oakland Athletics entwickelte neues Baseballwissen durch statistische Analyse und legte Wert auf Dinge, von denen sie wussten, dass sie im Baseball in ihrer Wichtigkeit unterbewertet wurden. 

Die Idee dahinter ist, dass Spielerqualitäten, die unterbewertet werden, wesentlich billiger zu bekommen sind als Qualitäten, auf die jeder achtet. Diese etwas wissenschaftlichere Herangehensweise an den Sport hatte Bill James, der 'Begründer' der Sabremetrics, also der nicht traditionellen Baseballstatistiken, schon seit Ende der 1970er verfolgt. James war allerdings nur ein Aussenstehender und die haben es in der Altherrenriege des Profisports oft schwer, sich Gehör zu verschaffen. 

"Als ich zu schreiben begann, dachte ich mir: Wenn ich beweisen kann, dass es dumm ist, X zu tun, würden die Leute damit aufhören. Da lag ich falsch."  - Bill James

Billy Beane aber hatte sich als Ex-Spieler einen Platz als Entscheidungsträger sichern können. So konnte er grosse Stars gehen lassen und deren wichtige Leistungen in der Summe der Mannschaft mit deutlich billigeren Spielern ersetzen, da er und sein Managementteam andere Leistungen als wichtig betrachteten.

Dieser Weg wurde von den Traditionalisten im Baseball belächelt und die A's wurden als Ausreisser mit Dusel betrachtet, dabei steckt dahinter einfach nur eine analytische Herangehensweise an den Sport mit dem Blick darauf, was Spiele wirklich gewinnt und der Mut die gängigen, von allen akzeptierten, Meinungen zu hinterfragen.

Moneyball ist nicht nur eine Geschichte über Baseball-Statistiken oder Baseball, sondern auch über die Personen und Gründe hinter dem Sport. 

Mit einer perfekten Kombination aus Fakten, Meinungen (sowohl seiner eigenen als auch der anderer) und einer Portion Humor erzählt Michael Lewis die Geschichte eines Managers, der sich gegen einen gesamten Sport stellt und Recht behält.