Torhüter werden ü30 nicht besser

Mit Leonardo Genoni verpflichtet der EV Zug den besten Torhüter der NL der letzten Jahre. Ab 2019/20. Für 5 Jahre. Für seine Altersspanne von 32 bis 36. Leo Genoni ist zweifelsohne der beste Torhüter der NL der letzten Jahre und ist bemerkenswert verletzungsfrei (seit 2009 hat er nur ein Mal weniger als 45 Qualifikationsspiele bestritten und seit 2014 nie gefehlt). Aber so gut manche Torhüter auch sind, die Zeit macht vor niemandem Halt.

ü30-Torhüter werden nicht besser

Auch wenn man das aus der Reaktion der Schweizer Presse nicht unbedingt entnehmen konnte: Eine solche Verpflichtung birgt durchaus Risiken. Basierend auf zugegeben wenig Daten haben NL-Torhüter zwischen 31 und 37 im Schnitt pro Jahr eine 0.3% schlechtere Fangquote (also ein 33-jähriger Torhüter mit einer Fangquote von 92% dürfte mit 34 eine Fangquote von 91.7% haben). Diese Beobachtungen bestätigen sich auch in der NHL (LINK):

 Quelle: https://hockey-graphs.com/2014/03/21/how-well-do-goalies-age-a-look-at-a-goalie-aging-curve/

Quelle: https://hockey-graphs.com/2014/03/21/how-well-do-goalies-age-a-look-at-a-goalie-aging-curve/

Hier liegen die Werte grob zwischen 0.3% und 0.4%

So gesehen muss man die Zuger loben. Stephan ist mittlerweile 34(.5), wendet man die NHL-Werte auf seine Fangquote an, ergibt sich folgender Verlauf in den nächsten Jahren (Der mittlere Wert repräsentiert die Alterung basierend auf den Werten der NHL-Studie, die obere Linie jeweils 25% weniger starker Altersabfall, die untere 25% stärkerer Altersabfall):

stephan.png

In zwei Jahren sollte man da nicht mehr mit überragenden Leistungen rechnen können. Aus Zuger Sicht ist es also vernünftig, sich mit Alternativen für die Zukunft zu beschäftigen.

Eine der wichtigsten Richtlinien für die Kaderzusammenstellung ist "Don't pay for past performance". Also man sollte Verträge nach der Leistung vergeben, die man während der Dauer des Vertrags zu bekommen erwartet. Und nicht, wie so häufig am 1. Juli in der NHL, basierend auf Leistungen in der Vergangenheit. Nur weil ein Spieler zwischen 27 und 30 ein bestimmtes Niveau hat, bedeutet das nicht, dass er dieses Niveau mit 33 auch noch hat und die Vertragsstruktur sollte das reflektieren. Und hier kommen wir zum grossen Risikofaktor dieser Verpflichtung: Genoni hat zwischen 27 und 30 phänomenale Leistungen erbracht und wird sicherlich entsprechend vergütet.
Es ist nur fraglich, wie lange Genoni wirklich so gut spielen kann, wie er es in den letzten Jahren getan hat. Ist denn zu erwarten, dass er während der Dauer des Vertrags (der wie gesagt erst 2019 beginnt) auch wie ein überragender Torhüter spielt? Wenden wir die NHL-Trends auf Genonis Statistiken an:

goalies1.png

Also ist zu erwarten, dass Genoni 2019 nur noch der beste Torhüter der Liga ist (nicht mehr mit grossem Abstand). Und spätestens ab 22/23 muss man damit rechnen, dass Genoni kein Spitzentorhüter mehr ist. Nun stellt sich die Frage, ob er in den ersten Jahren des Vertrags genug Mehrwert bietet, um die wahrscheinlich nicht mehr herausragenden Jahre am Ende wettzumachen. Wie bereits erwähnt: Wenn es einem Torhüter zuzutrauen ist, dann sicher Genoni.

Die obigen Werte sind hier in Gegentore, die Genoni gegenüber einem durchschnittlichen NL-Torhüter verhindern würde (bei 47 Spielen pro Saison und 31 Schüssen pro Spiel), umgerechnet:

genoni2.png

Es ist eine Verpflichtung, die auf einen (oder mehrere) Meistertitel in den ersten Jahren des Vertrags abzielt und dafür Risiko in den letzten Jahren des Vertrags in Kauf nimmt. Das ist eine Rechnung, die sehr wohl aufgehen kann, aber alles andere als garantiert ist.