Spielanalyse DEL-Finale '02, Mannheim - Köln, Spiel 5

Im Haimspielartikel zum 15-jährigen Jubiläum der Kölner Meisterschaft 2002 sind Links zu Youtubevideos, die einem das fünfte und entscheidende Finalspiel in voller Länge zeigen. (Zum besseren Verständnis bzw. einfach nur zur Unterhaltung würde ich übrigens empfehlen, sich das Spiel nochmal anzugucken.) Als topmotivierter Analyst mit einem freien Nachmittag dachte ich mir: "Das wäre doch mal ein lustiges Spiel für ne Analyse!". (Friedrich der Grosse verkündete, in seinem Reich solle jeder nach seiner Façon selig werden.)

Allgemein

Was einen natürlich als erstes trifft, sind die Regelunterschiede.

  • Eine breitere Neutrale Zone (und damit kleinere Offensiv-/Defensivzonen)
  • Bullys... überall. Nicht nur an den 9 Positionen, die man vom heutigen Eishockey gewohnt ist.
  • No-Touch-Icing
  • Reihenwechsel nach Icing erlaubt: Michi Leopold kommentiert nach einem nicht gegebenen Icing: "kein Pfiff, die Mannheimer hätten gerne einen gehabt, wollten in aller Ruhe wechseln, so mussten sie fliegend wechseln")
  • Strafen für Behinderung/Stockfouls, etc. bzw das Fehlen dieser: Man muss sich an der Stelle nochmal für den 04/05er Lockout bedanken, schliesslich hat der Regeländerungen bzw das korrekte Pfeifen der Regeln eingeläutet. Hier einige Beispiele:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Mannschaft wie der aktuelle Meister Red Bull München diese beiden Teams gnadenlos überlaufen würde. Ich war überrascht, wie indirekt das Spiel damals doch war. Was natürlich auch an den Regeln lag. Wenn man Halten und Haken darf, soviel man will, wird einem der direkte Weg natürlich umso schneller versperrt.

Zum Spiel

Als ultimatives Entscheidungsspiel um die Meisterschaft war es eventuell für viele nicht überraschend, dass beide Teams das Spiel sehr vorsichtig begannen. Der Puck wurde bei jeder Gelegenheit einfach aus dem eigenen Drittel geschossen. Bei Scheibeneroberungen in der Neutralen Zone gilt das gleiche: Hauptsache weiter weg vom eigenen Tor.
Köln schaffte es im ersten Drittel 6 Mal mit Puckkontrolle ins Mannheimer Drittel. Mannheim brachte nur 5 kontrollierte Angriffe zustande.
Natürlich kann Dump and Chase funktionieren, wenn man entsprechend forecheckt. Wenn man das allerdings nicht macht und der Gegner den Puck konsequent einfach rausschiesst und keinen kontrollierten Aufbau probiert, entstehen einfach keine Chancen:

 Dunkeö = Gleiche Spielstärke, Hell = Powerplay

Dunkeö = Gleiche Spielstärke, Hell = Powerplay

Nach dem 1:0 der Mannheimer im 2. Drittel wurde das Spiel aber zum Glück etwas offener. Die Gesamtzahlen offenbaren, dass die Kölner zwar etwas besser aus der eigenen Zone kamen (vor allem nach dem Ausgleich durch Hicks nachdem die Mannheimer etwas geschockt wirkten), Mannheim aber mit der Scheibe im Offensivdrittel mehr anzufangen wusste.

Das Chancenplus steht eindeutig auf Mannheimer Seite, aber ohne ein wenig Abschlussglück ist noch niemand Meister geworden.

Was ins Auge gefallen ist, ist die grössere Kadertiefe der Mannheimer. Köln hat quasi das ganze Spiel mit 3 Reihen gespielt und auch hier kam Thomas Schinko nicht immer zum Einsatz (Millen, Faust und Boos haben den Grossteil der Bullys gespielt). Ähnliches gilt für die Defensive, wo Schlegel-Lüdemann und Liimatainen-Porkka deutlich mehr gespielt haben als Miner-Renz, während Bill Stewart den drei Verteidigerpaaren (Racine-Groleau, Seidenberg-Roach, Charron-Bergen) allen in etwa ähnlich viel Eiszeit gegeben hat.

Ein Blick auf die individuellen Statistiken bestätigt das:

Zone Exits (wie man aus dem eigenen Drittel kommt)

Natürlich allgemein viel Chip and Chase, bei Köln allerdings doch etwas mehr kontrollierter Aufbau. Natürlich auch vom Rückstand befeuert.
Als jemand, der Mirko Lüdemann hauptsächlich aus den letzten Jahren kennt, war es doch cool ihn mal auf der Höhe seiner Fähigkeiten zu sehen, sehr beeindruckend, wie auch die Stats zeigen.

Bei Andy Roach waren für einen Verteidiger überdurchschnittliche Puckskills ebenfalls klar erkennbar, er hätte von einem offeneren Spiel sicher profitiert. Ein Blick auf die Zone Exits der Verteidigerpaare bestätigt, dass die Haie sich doch sehr auf ihre Top 4 verlassen haben (und dass Chernomaz das wohl auch zurecht getan hat).

Zone Entries (wie man ins gegnerische Drittel kommt)

Bis auf ein paar Lichtblicke eigentlich eher trist. Doch allgemein sehr viel Dump and Chase. Obwohl Michael Leopold mehrmals angemerkt hat, wie entscheidend das Transitionspiel doch sein kann.

  • Alex Hicks mit einem sehr starken Spiel. Flink und für die Verhältnisse des 2002er Hockeys auch sehr aggressiv. Vielerorts hätten andere Spieler die Scheibe einfach tiefgespielt.
  • Ustorf im Zusammenspiel mit Vorobiev auch sehr interessant.

Schüsse

Auch hier Alex Hicks sehr auffällig. Man sieht auch wieder die grössere Tiefe der Mannheimer.

Weil mir sonst nicht mehr allzu viel einfällt - das coolste an so alten Spielen ist schliesslich der "Aaaaaah, ja. Der hat damals ja noch für xy gespielt"-Moment bei einzelnen Spielern - und mir keine gute Einbindung für das Wort Teufelspakt einfällt (Daumen hoch, wer den Witz sofort kapiert), beende ich das ganze am besten einfach mit ein paar Highlights: