Christian Ehrhoff ist besser als Dennis Seidenberg.

Aus irgendeinem Grund (ich nenne es mal den "Defensivverteiiger-Trugschluss") besteht vielerorts die Meinung, dass Dennis Seidenberg ein besserer Verteidiger ist als Christian Ehrhoff. Da ich das für so katastrophal falsch halte, hier mal ein kleiner Beweis:

WAR-on-Ice hat vor einigen Monaten seine erste Version der WAR-Statistik veröffentlicht (KLICK). WAR oder Wins Above Replacement ist umfassende Statistik, die versucht, alle relevanten, messbaren Beiträge eines Spielers in einer Zahl zusammenzufassen. Auch wenn ich den Rechnungen, die die Herren hierzu gemacht haben, vertraue, ist das sicher keine Zahl, die man bis auf 5 Nachkommastellen zitieren sollte. Von daher habe ich diese mal auf eine Nachkommastellen angegeben, auch wenn man einen Unterschied von 0.2 oder 0.3 Siegen nicht unbedingt so interpretieren sollte, dass ein Spieler auf jeden Fall besser ist. 

Mal ganz grob gerechnet: Seit 2005/06 (Ab dieser Saison hat war-on-ich die Daten, demnach fehlen Seidenbergs 66 und Ehrhoffs 41 Spiele vor dem Lockout von 04/05) hat Dennis Seidenberg seinen Teams grob 1.5 Siege gekostet, relativ zu der Idee des Replacement Level Spielers, also einem Spieler, den das Team jederzeit als Ersatz haben könnte (Vom Niveau her im Schnitt sein sehr guter AHLer, so einen kann jedes NHL-Team jederzeit in den Kader holen). Christian Ehrhoff war im gleichen Zeitraum 12.6 Siege wert. Das ist erstmal deutlich, aber nur er Gesamtwert. Dennis Seidenberg hat die letzten Jahre stark abgebaut und vielleicht war er ja vorher durchaus ein guter Spieler. Also schauen wir uns mal den Karriereverlauf der beiden an (WAR ist auf 82 gerechnet, schließlich haben beide nicht immer gleich viel gespielt)

Das spricht meiner Meinung nach auch eine deutliche Sprache. Keiner der beiden ist mehr auf dem Toplevel (was mit 32 bzw 33 auch nicht mehr zu erwarten ist), aber Ehrhoff hat, wenn er denn verletzungsfrei bleiben kann (was ein großes "wenn" ist) immerhin noch gute Chancen darauf ein nützlicher Spieler zu sein, während Dennis Seidenberg meiner Meinung nach nicht mehr wirklich ein NHL-Stammspieler sein sollte. Das ganze lässt sich dann auch noch in die entsprechenden Komponenten aufteilen: 

  • Gezogene Strafen: Der Wert der vom Spieler gezogenen Strafen relativ zum Replacement Level
  • Strafen: Der Wert der selbst verursachten Powerplays für den Gegner vom Spieler. (weniger Strafen als der Replacement Level Spieler-> positiver Wert) 
  • Schussrate für: Wert des Eiflusses, den der Spieler auf die Schussrate seines Teams hat (unter Berücksichtigung seiner Mitspieler/Gegner und Zone Starts)
  • Schussrate gegen : Wert des Einflusses, den der Spieler auf die gegnerische Schussrate hat (unter Berücksichtigung seiner Mitspieler/Gegner und Zone Starts)
  • Eigene Schussqualität: Wert den die Schussqualität des Spielers hat (zugegeben bei Verteidigern etwas weniger wichtig als die anderen Komponenten, außer man heißt Erik Karlsson)

Man sieht, was ich mit Defensivverteidiger-Trugschluss meine. Der "Offensivverteidiger" Ehrhoff ist viel besser darin, die Scheibe aus dem eigenen Drittel zu halten und hat ist daher ein wertvollerer Verteidiger. Ich weiß nicht, ob ich jetzt viele Leute überzeugt habe (wer Seidenbergs Stanley Cup-Ring als Gegenargument bringen will, lässt es lieber bleiben), aber für mich ist das Thema jetzt endgültig vom Tisch. Heute, früher, zu den Glanzzeiten der beiden Spieler: Christian Ehrhoff ist besser als Dennis Seidenberg.